Narzissmus und Projektion

Jeder der schon einmal mit einem Narzissten zu tun hatte wird dieses Phänomen sehr gut kennen. Sobald es zum Streit kommt, wirft der Narzisst mit Vorwürfen um sich, die überhaupt nichts mit dir zu tun haben. Wir erwähnten dieses Thema schon einmal in unseren älteren Artikeln. Da aber immer wieder Fragen dazu aufkamen heute mal ein Artikel nur zu diesem Thema: Projektion.

Du bist alles schlechte, was ich an mir fühle

Jeder von uns kennt das. Es kommt zum Streit mit einem Narzissten und er beginnt mit ungeheuerlichen Vorwürfen um sich zu werfen. Da wird man dann auf einmal als Lügner, notorischer Fremdgänger oder auch kriminell hingestellt.
Die meisten Betroffenen können auf so etwas überhaupt nichts erwidern, weil es so absurd ist. Weil es so gar nicht zu dem passt, wie sie wirklich sind.
Diese Fassungslosigkeit sieht der Narzisst als stumme Bestätigung.
Bevor man sich also überhaupt rechtfertigen kann, macht er munter weiter.

Aber nicht nur in Streitsituationen projiziert ein Narzisst gern. Auch wenn er mit anderen über dich spricht und dich offensichtlich schlecht machen will. Er hat den Vorteil, dass die anderen dich nicht gut genug kennen um zu wissen, dass es absoluter Dummfug ist, was er da redet. Gefährlich wird das spätestens dann, wenn es um das Arbeitsumfeld geht oder um das gemeinsame Sorgerecht geht.

Denn auch nach Trennungen fangen die Schmierenkampagnen oft erst so richtig an. Ehe du dich versiehst, geht er zum Jugendamt und erzählt da Dinge über dich, die du niemals getan hast. Gerne werden auch genutzte Therapien gegen dich verwendet und es wird behauptet, du seist verrückt. Dabei musstest du diese Therapie nur machen, weil du jahrelangen Missbrauch hinter dir hast. Und wir wissen alle, wie toxisch psychischer Missbrauch für Betroffene ist und was er langfristig anrichten kann.

Aber warum tun narzisstisch gestörte Menschen das?

Das überhöhte Selbst und seine Folgen

Ein Mensch mit einer narzisstischen Störung lebt die meiste Zeit über in seinem überhöhten Selbst. Aber was heißt das eigentlich?
Schon als kleines Kind musste er lernen, dass seine Eltern ihn nur dann liebten, wenn er sich so verhielt, wie sie es von ihm wollten. So bekam er als Kind immer das Gefühl vermittelt, dass er so wie er wirklich ist, nicht liebenswert sei. Er schlüpfte also immer öfter in diese falsche Rolle seiner Selbst, um seine Eltern glücklich zu machen bzw um Liebe zu bekommen. Für ein Kind ist es verheerend ständig eine Maske aufsetzen zu müssen und andauernd sein wahres Ich verleugnen zu müssen. Es kommt zu einem schweren Trauma und das Kind spaltet das wahre Selbst vom überhöhten Selbst ab. Nein, das bedeutet nicht, dass jeder der in so einem Elternhaus aufwuchs automatisch ein Narzisst wird. Aber ein Trauma hinterlässt es immer. Es gibt viele Erwachsene Menschen, die ihr Leben lang eine Störung mit sich herumtragen, weil sie als Kind nie sein durften wie sie sind.

Das narzisstisch gestörte Kind lernt also immer öfter und länger in dem erhöhten Selbst zu leben. Denn es lernt, dass es nur dann anerkannt und geliebt wird. Gleichzeitig entwickelt es einen Selbsthass auf sein wahres Ich und spaltet es immer mehr ab. Das erhöhte Selbst ist aber natürlich nicht echt. Es ist lediglich eine Maske, die dazu dient Liebe von Menschen zu bekommen, die oft selbst toxisch sind. Es ist ein perfektioniertes Ich, dass weder Fehler macht noch fehlerhaft ist. Es ist ein perfektes Kind, dass die Wünsche und Träume der Eltern lebt, noch bevor sie danach fragen. Es ist ohne Fehl.

Beschützend in der Kindheit, Belastung als Erwachsener

Was als Kind sein überleben sicherte wird als Erwachsener immer problematischer.
Denn ein Kind braucht seine Eltern zum Überleben. Krankhafter Narzissmus ist nichts anderes als ein Schutzmechanismus. Und was als Kind noch gut funktioniert, funktioniert spätestens als Erwachsener nicht mehr. Denn jeder von uns hat Makel und jeder von uns macht Fehler.
Nicht aber ein überhöhtes Selbst, in dem viele Narzissten die meiste Zeit ihres Lebens verbringen. Der Preis für diese Maske ist, dass sie überhaupt nicht stabil ist. Nur die kleinste Kritik kann dazu führen, dass sie bröckelt. Also wird negative Kritik einfach an den Absender zurückgeschickt. Denn wenn die Maske fällt und der Narzisst mit seinem wahren Ich konfrontiert wird – einem kleinen, ungeliebten Kind, dass nie gelernt hat sich zu entfalten und dass er selbst Hassen gelernt hat, zerbricht alles. Der Narzisst meidet es also wie der Teufel das Weihwasser mit seinem wahren und leeren Ich in Kontakt zu kommen. Denn das würde er nicht ertragen.

Kennt ihr die Geschichte des Dorian Grey? Ich erzähle sie euch kurz: Es geht um einen jungen Mann, der ein Abbild von sich malen lässt. Bald schon findet er heraus, dass all das schlechte was er tut, all das was seiner Seele schadet auf das Bildnis übergeht. Er lebt also ein fragwürdiges Leben, ohne jemals etwas davon spüren zu müssen. Denn all das schlechte geht auf sein Bildnis über. Deswegen versteckt er es irgendwann und schaut es sich nicht mehr an. Denn das Bildnis zeigt das Bild seiner wahren Seele und da er immer schändlicher lebt, wird das Bildnis immer scheußlicher. Aber er selbst merkt nichts davon, altert nicht, behält seine Jugend und spürt den Verfall nicht.
(Ich verlinke euch eine Verfilmung weiter unten, kann euch nur empfehlen euch das mal anzuschauen um besser zu verstehen, wie ein Narzisst sein wahres Ich abspaltet.)

Diese Geschichte ist die perfekte Metapher für das Innenleben eines Narzissten. Alles negative wird abgespalten auf sein wahres Ich, dass er eh „im Keller“ versteckt hält, denn er lebt nur in seinem überhöhten Selbst. Sein wahres Ich konnte sich niemals entwickeln. Und trotzdem ist ein Narzisst extrem kritikunfähig und reagiert sehr rachsüchtig wenn ihn jemand verletzt. Da in seinem überhöhten Selbst kein Platz ist für Fehlverhalten oder Makel, schiebt er einfach alles was er selbst im Grunde ist, auf dich ab. Wenn er also seit Jahren immer mal wieder fremdgeht, oder ein notorischer Lügner ist – dann wird er diese schlechten Anteile auf dich abschieben. Denn er selbst ist ja ohne Makel.
Sein wahres Ich weiß sehr genau, dass das seine eigenen Anteile sind. Deswegen verkümmert es auch immer mehr, so wie Dorian Greys Abbild. Aber er fühlt das nicht, hat keinen Kontakt zu seinem wirklichen Selbst. Deswegen spiegelt er es auf dich.

Du bist mein Spiegel, also bist du Schuld!

Auf einmal gehst du also fremd, bist kriminell und am besten auch noch Narzisst. Gerne bezichtigen NPSler andere als Narzissten, obwohl sie im Grunde nur von sich selbst sprechen. Also hör nächstes Mal genau hin, wenn er dir im Streit etwas gegen den Kopf wirft. In den meisten Fällen spricht er nur von sich selbst. Das kann sehr aufschlussreich sein und hilft dir, solche Attacken nicht mehr persönlich zu nehmen. Denn im Grunde ist der Narzisst ein armer Mensch. Hat keine Verbindung zu sich selbst, sperrt sein wahres Ich sein Leben lang weg und seine Seele verkümmert so immer mehr. Er ist nichts anderes als eine perfekt erstellte Maske. Dahinter ist nur Leere und Dunkelheit. Deswegen haben NPSler die höchste Suizidrate von allen Persönlichkeitsstörungen. Gerade unbehandelte. Denn durch ihr toxisches Verhalten verlieren sie irgendwann meist alles. Und spätestens wenn es niemanden mehr zum projizieren gibt müssen sie in ihr Abbild schauen. Und die Leere die sie dort erkennen ist oft nicht auszuhalten.
Umso wichtiger ist es, dass Narzissten sich in solch einem Fall Hilfe suchen. Denn mit einer Therapie, ist ein Leben mit NPS möglich, ohne andere auf Dauer kaputt zu machen. Leider gehen nur sehr wenige diesen Schritt und leben lieber weiter als Dorian Grey.

Hier könnt ihr den sehr sehenswerten Film schauen:

Hier gibts das Buch, wer lieber liest:

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2 Gedanken zu „Narzissmus und Projektion

  1. Schön ist das das was für das narzisstischer Gegenüber auch für einen selbst geht: man projiziert seine Bedürfnisse auf ihn und ist damit verwickelt. Wenn dieser seinerseits nun mit Vorwürfen beginnt – na ja dann tut das eben weh weil man ja was anderes will und braucht von ihm. Die Lösung ist im Prinzip total logisch: sich um seine Bedürfnisse selbst zu kümmern seine Schatten zu heilen – denn die werden grad von narzisstisch geprägten Menschen sehr stark gelebt. Ein Narzisst ist da nicht anders als alle anderen Menschen. Er ist im Vergleich dazu in dem Punkt der Schatten und Bedürfnisse wie ein Brennglas. Er offenbart einem auf sehr harte Weise wo wir uns selbst heilen müssen. Und dafür kann der Narzisst gar nix. Er ist einfach nur wie er ist. ☺️

    1. … wer einen Narzisst als Partner wählt hat im Prinzip das Boot Camp der emotionalen Not gewählt um eben dahin zu kommen – in die Heilung. Und nichts treibt Selbsterkenntnis und Heilung mehr an als Leid. Im Grunde ne Riesen Chance zu wachsen. Finde ich.

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