Posted by on 27. Juli 2019

Im letzten Artikel haben wir ja nun kurz darüber gesprochen, was Minimalismus mit toxischen Beziehungen zu tun hat, beziehungsweise wie es dich bei deiner Heilung nach narzisstischen Missbrauch unterstützen kann. Heute gehen wir dann mal in die Offensive. Im ersten Teil unserer Serie werde ich euch erzählen, wie ich zum Minimalismus kam und wie es mein Leben veränderte.

Jakobsweg

Wie ihr wisst, bin ich im Mai dieses Jahren für ein paar Wochen den Jakobsweg in Spanien gelaufen. Dass das viel mit Minimalismus zu tun hatte wurde mir erst auf dem Weg selbst bewusst. Für alle die nicht wissen was der Jakobsweg ist – er ist ein Pilgerweg der über 800 km lang ist und durch ganz Nordspanien führt. Als Pilger lebt man mit so wenig Luxus wie möglich – alles was man braucht, trägt man täglich in seinem Rucksack bei sich. Jetzt werden bestimmt schon einige von euch die Stirn runzeln – ALLES?
Ja, alles. Deine Kleidung, Schuhe, Hygieneartikel, Geld und alle wichtigen Unterlagen, die es so braucht auf so einem Weg. Klingt heftig? Schon gell?

Aber lasst mich euch mal was sagen, es war ein wahrer Segen! Ich war so skeptisch, ob man mit so wenig leben konnte. Ich hatte insgesamt nur zwei Outfits dabei – für mehrere Wochen. Ergo zwei Hosen (die konnte man durch Zipp zu kurzen Hosen machen), 2 Tshirts, ein langes Shirt, eine Fleecejacke, einen Regenponcho, ein paar Wanderstiefel und ein paar Crocs. Ansonsten noch 2 Bhs und 3 Unterhosen. Thats it. An Hygieneartikeln ein Shampoofläschchen für alles (Ja genau, keine 10 verschiedenen, eins für alles!), einen Rasierer und Sonnencreme. Klingt total verrückt? War es anfangs auch.

Aber nicht weil es so schlimm gewesen wäre, sondern weil ich schnell erkannte, dass ich mehr nicht brauchte. Und das glaubt man wirklich erst, wenn man es selbst erlebt. Deswegen kann ich eh nur jedem raten sowas mal ein paar Wochen durchzuziehen.
Klar, du musst jeden Tag deine Sachen waschen, aber was ist schon dabei?
Wisst ihr wie entspannt es war, nicht jeden Tag gefühlte Stunden vor dem Kleiderschrank zu stehen um zu entscheiden was ich trage. Die einzige Frage die wichtig war war: Ist es kalt? Ergo langes oder kurzes Shirt? Lange oder kurze Hose? Jacke oder keine Jacke. Fertig.

Ihr glaubt gar nicht wie viel Zeit wir unterbewusst andauernd darüber nachdenken, ob wir nun gut genug aussehen. Ob unser Outfit auch schick genug ist, bunt genug, teuer genug. Oder ob andere uns verurteilen. Und auf dem Jakobsweg? Da nehmen dich die Menschen genau so wie du bist – da zählt es nicht wie viel man hat oder wie man aussieht. Da zählt nur dein Charakter. So erfrischend, wenn man aus einer total oberflächlichen Gesellschaft kommt.
Man lernt endlich wieder minimalistisch zu denken – sich auf die WIRKLICH wichtigen Dinge zu konzentrieren. Dinge wie Freundschaft zum Beispiel. Wie viele von uns haben Dutzende oberflächliche Bekannte? Aber wie wenig wirkliche Freunde sind dabei?

Auf dem Jakobsweg lernt ihr wieder auf euch selbst zu hören, euch auf die wichtigen Dinge im Leben zurück zu besinnen.
Und als ich Heim kam da wusste ich, ich konnte so wie vorher nicht mehr weitermachen.

Home sweet home?

Als ich Heim kam traf mich fast der Schlag. Als hätte jemand mein Leben von entspannt wieder auf 4fache Geschwindigkeit gedreht. Auch meine Umwelt war so schnell, so stressig, so unzufrieden. Als wären sie alle in einem endlosen Getriebe gefangen. Ohne Sinn und Zweck, einfach nur funktionierend. Und auch meine Wohnung erkannte ich nicht mehr wieder. So viel Zeug! Voller Kleiderschrank, gefühlt dutzende Badezimmerartikel säumten mein Bad. Meine Wohnung war über und über einfach nur Überfüllt. Ich fühlte mich hier nicht mehr wohl. Und soll ich euch ein Geheimnis verraten? Die ersten Wochen lebte ich weiterhin aus meinem Rucksack. Weil es mich so überforderte. All diese Dinge überforderten mich so sehr.

Also fasste ich einen radikalen Entschluss – ich muss meine Wohnung detoxen!
Also fing ich an nach dem Prinzip von Marie Kondo meine Wohnung auf Minimalismus zu trimmen. Und mittlerweile fühle ich mich wieder komplett wohl darin. Meine Wohnung spiegelt jetzt mich wieder, weder Konsum noch Reichtum.
Denn ich brauche nicht mehr viel zum leben, zum glücklich sein.

Was das alles bedeutet und wie auch ihr das umsetzen könnt, davon lest ihr die nächsten Wochen hier noch mehr zu. Seid gespannt!

Wenn ihr ein Coaching bei mir buchen wollt schickt mir eine Email:
hilfefueropfervonnarzissten@gmail.com

Wer mehr über meine Reise auf dem Jakobsweg lesen möchte, klickt hier.

Bücher zu Minimalismus (wer sich schonmal einlesen mag):

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Comments

  1. Margit
    27. Juli 2019

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    Hammer…ich hab das gelesen und man verspürt den Wunsch,das gleich zu tun.Ausser einen narzisstischen Mann 10 Jahre lang ertragen, hab ich auch noch andere Baustellen und ich will auch einfach nur raus und fühl mich daheim beengt.Nur wenn das alles mal so einfach wäre.Ich ziehe meinen Hut vor Dir.

  2. Bettina
    28. Juli 2019

    Leave a Reply

    Hallo Arti, das ist ja schön, von deinem Minimalismus zu lesen. Ich arbeite schon seit langem daran das Gerümpel des Alltags los zu werden. Das ganze Zeug bindet so viel Energie und koster Zeit und Geld. Es macht so unfrei. Trotzdem ist es nicht leicht es los zu werden. Da hängen Erinnerungen und andere Sentimentalitäten dran. Also wenn du das Mal eben so geschafft hast, den Kram weg zu zaubern … Hut ab. Selbst wenn man sich entscheidet, das ein oder andere nicht mehr haben zu wollen, bleibt die Frage, wo hin damit? Also ich bin der Super-Minimalist ——-theoretisch——-.
    Schön dass du wieder da bist. Deine Arbeit hat mir sehr geholfen über sehr schlimme Zeiten hinweg zu kommen. Mir geht es jetzt gut. Ich lebe wieder. Trotzdem gibt es Baustellen. Angst davor, eine neue Beziehung anzufangen, zum Beispiel.
    Deshalb freue ich mich auf positiven konstruktiven nach vorne gerichteten Austausch.

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