Narzissmus – Kindheit in Endlosschleife

Ich liege im Bett und weine. Heute Abend ist etwas schreckliches passiert. Ich war mit einer Freundin aus und sie wollte, dass ich ihren Freund kennen lerne. Sie sagt er sei ein Mann mit einer narzisstischen Störung und meine Meinung dazu ist ihr sehr wichtig.
Ich willigte also ein. Diese unglaublich starke und selbstsichere Frau die meine Freundin ist, bewundere ich für ihr ganzes Lebenswerk.

Sie ist lustig, mutig und geht mit einer Souveränitat durchs Leben für das ich sie nur beneiden kann. Eine richtige Powerfrau. So, wie es meine Mutter eine gewesen war.

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Genau so hatten mir damals Freunde meine Mutter beschrieben. Ich hatte diese starke Frau nie gekannt, denn ich lernte sie nur gebrochen kennen. Gebrochen von ihrem Mann, meinem Vater. Einem Mann mit einer narzisstischen Störung.
Meine Mama war als sie jung war Mutterseelenalleine in ein fremdes Land ausgewandert und hatte sich dort ein Leben aufgebaut, ebenso wie ein erfolgreiches Unternehmen. Sie war sehr offen und hatte viele Freunde. Eine richtige Powerfrau.

Bis sie meinen Vater traf. Und ich kannte sie nur als Hausfrau, als leise und kranke Frau, die nie aus dem Haus ging und keine Freunde hatte. Die immer kuschte wenn mein Vater gemein zu ihr war. Eine Marionette, die ebenfalls sehr bösartig werden konnte – um meinem Vater zu gefallen. Co Narzissmus nennt man das. An all das erinnere ich mich kaum noch, denn sie starb als ich 17 war.
Nach einem Unfall 6 Monate im Koma und dann war sie plötzlich fort.  Einfach so.

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Mein Vater tröstete sich mit der viel zu jungen Krankenschwester und zog mit ihr weg. Seitdem bin ich allein. Und so wundert es nicht, dass ich schon bald einen Narzissten traf, der leichtes Spiel mit mir hatte. Mit ihm durchlebte ich meine Kindheitstraumata immer wieder – 8 Jahre lang. Wurde abgewertet, manipuliert, krank gemacht.

Bis es mir erging wie meine Mutter. Ich krank wurde, nicht mehr arbeiten konnte, all meine Freunde verlor und nicht mehr das Haus verließ. In einer langen Therapie arbeitete ich das alles auf und wir fanden heraus, dass meine Mutter dependente Züge hatte und mein Vater ein Narzisst war. Das meiste davon weiß ich nicht mehr. Meine Psyche hat es verschlossen ganz tief in mir.
Aber all dieses Wissen dass ich nun habe, sollte zu schrecklicher Praxis werden.
Ich sollte noch einmal mit vollstem Wissen was ich jetzt hatte, erleben, wie mein Vater mit meiner Mutter umgegangen war.

Zurück zu dem Abend mit meiner Freundin, der starken Powerfrau.
Wir hatten uns das gute Essen schmecken lassen und ruhten nun satt und zufrieden in unseren Stühlen. Genossen den Sommerabend. Bis der Mann kam. Er war weder besonders groß noch ansehnlich, aber er sprühte vor Charisma.

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Das ganze Restaurant schien auf ihn gewartet zu haben. Als er ankam wurde er lautstark von allen begrüßt – als wäre er ein König. Er lachte herzlich, es wurde sich viel umarmt und geherzt. Aber als er sich neben meine Freundin setzte (die er als allerletztes begrüßte), guckte er sie nur abschätzig an. Kein Kuss, keine Umarmung, kein liebes Wort. Meine Freundin ist eine große Frau, aber auf einmal schien sie um einen halben Meter geschrumpft zu sein. Den Kopf sofort devot gesenkt, die Stimme nur noch leise und unsicher.

Sie fing an ihn zu bedienen. (Wir haben nicht viel übrig, brauchst du noch was? Ich kann was bestellen! Hier, Wein! Ist aber auch schon fast leer. Wir sollten mehr bestellen). Sie schenkte ihm hastig ein. Drapierte das letzte Gemüse auf der Platte ein bisschen um zu eruieren, ob es für ihn reicht – dabei war das Essen nie für ihn gewesen.

Sie hing an seinen Lippen wie ein Groupie, und er hatte die Arroganz von Gaston aus die Schöne und das Biest. Er lies sich bedienen, würdigte sie aber kaum eines Blickes. Sie redete weiter auf ihn ein, erzählte ihm Haargenau was wir heute gemacht hatten, schien ihn begeistern zu wollen. Eine Regung aus ihm hervorzulocken – aber er zog nur die Augebrauen hoch und machte bissige und abschätzige Kommentare in ihre Richtung.

Einmal sah er mich eiskalt an und sagte : „Die meiste Zeit über will ich diese Frau töten.“

Ich suchte nach der Pointe in seiner Stimme, einem lächeln, aber da war nichts. Er hatte keinen Witz gemacht. Die halbe Zeit redete ihr Freund mit den anderen Gästen des Restaurants, als wären wir gar nicht da. Er trank sehr viele Gläser Wein (Ist doch nur Wasser).

Und ich verschwand innerlich. In mir tat sich ein Ruck und mein Kopf begann zu dröhnen. Ich wollte sie in Schutz nehmen, mit ihr verschwinden – aber ich war wie gelähmt. Auf einmal war ich wieder 6 Jahre alt. Und die Menschen die mir dort gegenübersaßen, waren meine Eltern. Etwas in mir wurde losgetreten, in meinem Kopf schwirrte alles umher. Mir ging es richtig schlecht.

Als wir in der Therapie alles herausfanden mit meinen Eltern war mir vieles klar geworden. Aber nochmal erlebt hatte ich es nie. Wie schlimm es wirklich gewesen war. Denn meine Mama war schon tot gewesen. Aber heute Abend, jetzt und hier, da saß sie wieder neben mir.

Eingeschüchtert und verlacht von dem Mann den sie liebt. Er machte ständig Witze auf ihre Kosten, wertete scherzhaft alles ab was sie sagte. Statt sich zu wehren, wurde sie noch devoter, begann, sich noch mehr Mühe zu geben. Immer mehr. Immer mehr. Und scheiterte an ihm. Scheiterte wie meine Mama. Ich wollte weinen, wollte schreien, wollte weg da. Aber ich konnte nicht. Wie damals als Kind saß ich einfach nur daneben und ertrug es.

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Irgendwann verließ der Mann uns wieder. Nicht ohne natürlich die Rechnung zu bezahlen und von allen geliebt noch ein paar Scherze auf ihre Kosten zu machen. Und als er fortging nahm meine Freundin wieder ihre normale Größe an. Als wäre sie ohnmächtig gewesen und erwacht aus einem schlimmen Traum.

Ihre Stimme war wieder laut und klar, sie wirkte ein bisschen benommen.
Und ganz in meinem Job analysierte ich die Situation für sie. Und sie war so erschüttert. Für sie wirkte der Missbrauch überhaupt nicht so schlimm. Nun hatte sie Klarheit.

Als ich in dieser Nacht kein Auge zutat durchlebte ich meine Kindheit erneut. Alle Momente kamen wieder hoch, alles Leid , vor allem das meiner Mutter.
Den ganzen nächsten Tag ging es mir total schlecht und auch in meiner Freundin hatte sich einiges tief bewegt… ich glaube sie wird den Absprung die nächste Zeit schaffen.

Sie hat der Wahrheit zu tief ins Gesicht blicken müssen um jemals wieder zurück zu können.

Und ich? Ich habe nun die Gewissheit, dass das was meiner Mama zugestoßen ist- das gleiche war, dass mir  8 Jahre meines Lebens genommen hat und mich fast umgebracht hätte.  Ich konnte meine Mama gehen lassen. Man sagt immer es gibt diesen einen Moment, wo dir alles klar wird – wo du in Liebe loslassen kannst.

Durch das was ich erlebte, konnte ich sie endlich gehen lassen.

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Eine Antwort auf „Narzissmus – Kindheit in Endlosschleife“

  1. Wenn ein Mann seine Frau schlägt, ist er der Schuldige, und wird bestraft.
    Bei einem Narzisst wo der Frau die Seele blutet, wird ihr noch gesagt:
    Was für ein Glück sie mit diesem Mann hat.
    Ich habe fast 11 Jahre das erlebt, und bin Dank 2 Freundinen, die trotz allem bei mir blieben , jetzt erst der Warheit ins Gesicht gesehen.
    Ich habe no h einen langen Weg vor mir………, den ich Schritt für Schritt gehe.

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