PTBS – Mein Leben mit Trauma

Mit einer PTBS zu leben ist alles andere als einfach. PTBS, das ist eine Posttraumatische Belastungsstörung die früher meist mit Kriegsopfern oder Veteranen in Verbindung gebracht wurde. Mit Menschen die psychisch und vor allem auch körperlich schwere Traumata durchlebt haben und nun langfristig darunter leiden müssen. In den letzten Jahren kam diese Krankheit nun aber auch immer öfter bei Menschen vor, die psychischen oder körperlichen Missbrauch in der Kindheit oder Beziehungen erlebt haben. Dennoch versteifte man sich sehr auf das körperliche. Psychischer Missbrauch ist ja nach wie vor ein Tabuthema, dass von vielen mit einem müden Lächeln als Unfug abgetan wird. Aber die Zahlen derer, die psychischen Missbrauch erlebten und an einer PTBS erkrankten, stieg immer weiter an. In den USA gibt es da schon mehrere Langzeitstudien zu. Hier in Deutschland leider noch wenig, da psychischer Missbrauch hier noch kaum erforscht ist.
Zu den Symptomen einer PTBS gehören unter anderem:
  1. Schlafstörungen
  2. Starke Stimmungsschwankungen
  3. Flashbacks des erlebten Traumas
  4. Ständige Erschöpfung
  5. Depressionen und Angstzustände
  6. Vergesslichkeit bis hin zur temporalen Amnesie
  7. Starkes reagieren auf so genannte Trigger, auch im normalen Alltag
  8. Vermeidung, Verdrängung des Geschehens
  9. Verflachung der Gefühle und Interessen
  10. Psychosomatische Beschwerden

Diese Krankheit kann nur von einem Arzt diagnostiziert werden, also wenn ihr den Verdacht habt darunter zu leiden, lasst euch abchecken. Ich habe selbst viel zu lange gebraucht um zu begreifen, dass es mich erwischt hat.

Bei mir fing es schleichend an. Die toxische Beziehung dauerte schon Jahre an und ich merkte immer mehr , dass ich vergesslich wurde. Und das nicht nur wegen Kleinigkeiten, sondern ganze Tage fehlten mir. Ganze Monate. Besonders immer jene Zeiträume wo mein Partner mich besonders schlimm psychisch Missbraucht hatte. Oder auch körperlich. Nach so einem schlimmen Streit war in meinem Kopf alles wie im Nebel. Ich bekam alles nur noch am Rande mit und nach ein paar Stunden, war alles weg. Das schlechte Gefühl und die Erinnerungen. Untersützt wurde das natürlich durch das toxische Verhalten meines Partners, der mich dann meist Stunden ignorierte und hinterher tat, als wäre nichts gewesen.
Geklärt wurde so nie etwas. Oft fiel ich dann früh Abends schon in einen traumlosen Schlaf und am nächsten Morgen war es, als wäre nie etwas passiert. Alle Emotionen und Erinnerungen waren weg. Was im ersten Moment natürlich eine Erleichterung für mich war. Später merkte ich dann aber, dass nicht nur die Erinnerungen an das Ereignis fehlten, sondern auch vom ganzen Tag. Mein Kopf sperrte diese Dinge ein, weil sie zu schlimm waren um sie zu ertragen. Aber mit dem Ereignis eben auch den ganzen Tag und alle anderen Ereignisse. Das war nicht so gut, denn ich trage in meinem Job viel Verantwortung und so kam es dort oft zu Missverständnissen.
Dann begann die Müdigkeit. Sie kam langsam und legte sich wie eine schwarze Decke um mich. Schleichend begann ich immer müder zu sein und immer weniger Energie zu haben- was natürlich auch dem Missbrauch geschuldet war.
Ich bin ein Mensch der sehr aktiv ist und offen am Leben teilnimmt. Aber ich spürte wie ich immer weniger ich selbst war. Immer betäubter. Immer mehr im Nebel.
Bis das Licht der Sonne mich nur noch unangenehm zu blenden anfing, statt mir gut zu tun.
Mein Partner redete mich in Streits um Kopf und Verstand. Am Ende wusste ich immer seltener, worum es am Anfang überhaupt gegangen war. Nach körperlichem Missbrauch saß ich manchmal Stunden einfach da und zitterte im totalen Schockzustand. Starrte die Wand an.  Konnte mich kaum rühren.
Das kann ich während des Missbrauchs nie. Weil es mich so tief triggert und in meine Kindheit zurück versetzt, dass ich wie gelähmt bin.
Und dann fingen die Träume an.
Das mag jetzt abstrus klingen, aber wenn dein Verstand etwas wegsperrt, denkst du nicht mehr darüber nach. Wenn du im logischen Gedächtnis danach kramst, findest du den Fakt dass es stattgefunden hat – aber kein Gefühl dazu. Als hättest du nur zugesehen oder es von einem Bekannten mitbekommen.
Aber was dann passiert, haut dich richtig um.
Es sind Träume, die aus dem Nichts kommen. Aber nicht einfach Träume. Sondern Flashbacks. Du erlebst also alles nochmal von vorn. Mit allen Empfindungen, Geräuschen und Gerüchen. Du wirst quasi nochmal von vorn misshandelt und bist hautnah mit dabei. Spürst die Hände um deinen Hals. Die schwarzen Augen deines Partners und wie er weiter zudrückt. Und wenn man dann aus dieserm Traum erwacht ist man schweißgebadet und mitten im Schock.
Das erste Mal dass ich so einen Traum hatte, war ich am nächsten Tag kaum ansprechbar.
Die Bilder die dein Kopf verdrängt hatte und alle Emotionen sind nun Monate später auf einmal wieder da.
Was jetzt passiert ist quasi, dass dein Unterbewusstsein das erlebte versucht zu verarbeiten.
Leider ist das bei weitem noch nicht alles. Diese Flashbacks kommen nicht nur in der Nacht und im Traum sondern tauchen plötzlich überall um dich herum auf. Es reicht in der Außenwelt ein kleines Geräusch, ein Geruch oder ein Satz oder Wort und schon erlebst du das Erlebte nochmal.
Egal wo du gerade bist. Es überfällt dich einfach.
Da reicht es zum Beispiel, wenn du Ubahn fährst und dort ein Mensch das Parfüm benutzt , dass dein Partner getragen hat, als er dich misshandelt hat.
Sobald du es riechst kann der Flashback kommen und dich umhauen.
Das macht den Alltag unglaublich schwer, denn Gefühlsausbrüche lassen sich in solchen Situationen so gut wie nicht verhindern. Ängste schleichen sich also dazu ein. Vermeidungsverhalten.
Nicht mehr vor die Tür gehen weil es wieder passieren könnte.
Unter diesen Flashbacks leiden Betroffene teilweise Jahre. Die Seele braucht ihre Zeit um all das zu verarbeiten und befindet man sich nicht in therapeutischer Behandlung kann es mitunter noch viel länger andauern.
Hinzu kommen ständige und starke Stimmungsschwankungen.
Und auch Probleme im Alltag mit anderen Menschen. Denn wohin mit all der Trauer und der Wut , von der man überhaupt nicht mehr wusste, dass sie überhaupt existiert?
Gerade wenn Betroffene sich noch nicht trennen konnten, können sie den Partner überhaupt nicht mehr um sich herum haben und oft gibt das dann auch den fehlenden Auslöser sich endlich zu trennen.
Dennoch ziehen sich auch sehr viele zurück, trauen sich gar nicht mehr vor die Tür zu gehen und leben zunehmend in totaler Isolation. Sie bleiben zu Hause um Triggern aus dem Weg zu gehen. Denn die lauern im Alltag fast überall. Es reicht ja zum Beispiel schon, sollte jemand einen Satz sagen den der Missbraucher auch gebraucht hat.
Ein Wort, ein Geruch oder ein Geräusch. Alles wird zur unsichtbaren Gefahr.
Ich persönlich konnte deswegen Jahrelang nicht arbeiten gehen. Aber nicht nur wegen der PTBS, auch wegen des Missbrauchs selbst, Depressionen, Panikattacken und die ganze Palette der Psychosomatischen Beschwerden, die ich vor meiner Beziehung mit diesem Menschen niemals gekannt hatte.
Wichtig für alle Betroffenen ist deswegen eine Therapie bei einem Ausgebildeten Psychologen.
Er kann mit euch zusammen die Traumata aufarbeiten, damit ihr wieder ein normales Leben führen könnt nach dem Horror.
Und wie geht es mir mittlerweile?
Letzte Woche sagte mein Therapeut mir, ich sei geheilt. Abhängige Anteile werde ich immer in mir tragen aber mittlerweile habe ich meine PTBS und mein Trauma so gut es geht verarbeitet. Mich plagen ab und an noch Flashbacks, aber nur in Träumen. An den Tagen darauf bin ich meist noch ein bisschen im Nebel und in Erinnerungen gefangen. Aber ich weiß, dass das wieder vorbeigeht und nur temporär ist. Und vor allem, dass es etwas gutes ist, da meine Seele endlich dabei ist, all das zu verarbeiten.
Narzisstischen Missbrauch kann man überleben. Es ist nur ein Langstreckenmarathon. Man muss viel Zeit und Gedult mit sich selbst haben. Denn von heute auf morgen geht da nichts. Es ist ein langer Prozess, der nie ganz aufhört. Und am Ende des Weges wartet man selbst. Die Reise dahin ist beschwerlich aber es lohnt sich.
Hilfreiche Bücher:

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2 Antworten auf „PTBS – Mein Leben mit Trauma“

  1. Gibt es sowas wie eine leichte Form von PTBS? Habe alles ausser richtige Flashbacks, nur Träume.
    Wurde auch nicht körperlich misshandelt…
    Oder ist das dann eher eine Depression?

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