Der narzisstische Vater

Ich habe euch hier jetzt schon sehr viel über narzisstische Partnerschaften erzählt und wir haben auch sehr viele Augenzeugenberichte erhalten, die wir für euch veröffentlicht haben.
Heute möchte ich mich mal einem Thema widmen, worüber noch oft geschwiegen wird.

Missbrauch über den viele Schweigen

Narzissmus in Familien, das ist ein großes Thema und doch schweigen die meisten darüber. Entweder weil viele sich schämen oder sich nicht erinnern. Viele Kinder solcher Eltern erkranken selbst psychisch und tragen das ihr ganzes Leben lang mit sich herum.
Nicht selten werden aus solchen Kindern selbst Narzissten oder aber auch Dependente Persönlichkeiten. Gerade für Kinder ist dieser Missbrauch mehr als verheerend. Denn ein Kind kann nicht gehen. Ein Kind kann sich aus missbräuchlichen Elternhäusern erst lösen, wenn es Erwachsen ist und dann ist das sprichwörtliche Kind natürlich längst in den Brunnen gefallen.
Persönlichkeitstörungen entwickeln sich meist in den ersten Lebensjahren.
Ein Kind ist diesem Missbrauch also schutzlos ausgeliefert.
Auch gerade, weil die Mutter oft nicht eingreifen wird. Sie selbst ist Co Abhängig und erträgt diesen Missbrauch schon viele Jahre. Ihr eigenes Selbstvertrauen wird mittlerweile auf dem Nullpunkt sein.
Heute möchte ich genauer auf den narzisstischen Vater eingehen, da auch ich  die Erfahrungen in der Kindheit erleiden musste.
image-manipulation-3349068_1920.jpg
Unter einem narzisstischen Vater aufzuwachsen ist sehr schwer. Denn Liebe ist nie umsonst. Ein Kind lern von früh auf, dass es nur dann geliebt wird, wenn der Vater mit ihm nach außen hin prahlen möchte oder wenn das Kind etwas dafür tut. Die Bedingungen sind unterschiedlich. Aber solch ein Vater zieht sich die Bewunderung durch die Außenwelt durch die Leistungen und Errungenschaften seines Kindes. Solange das Kind also jederzeit seine Anforderungen und Leistungen erbringt, wird er mit stolzer Brust nach außen mit ihm prahlen. Das findet aber nur in der Außenwelt statt. Gerade dann erleben alle Menschen ihn als unfassbar fürsorgenden und liebevollen Vater, der alles für das Wohl seines Kindes tun würde. Er ist immer gut gelaunt, strotzt vor Charisma und Sympathie. In solchen Momenten wird das Kind mit Liebe gar überschüttet. Es wird geherzt und es wird nur in den besten Tönen von ihm gesprochen. Das Kind fühlt sich geliebt.
Hinter verschlossenen Türen sieht es dagegen ganz anders aus. Der Vater ist kaum anwesend und wenn er anwesend ist führt er ein strenges Regiment. Das Kind hat jederzeit seinen auferlegten Regeln zu gehorchen. Privatsphäre ist ein Fremdwort. Das Kind ist nur der verlängerte Arm des Vaters, sein Eigentum. Während der Vater arbeiten geht, überwacht die Mutter die Handlungen des Kindes und stellt sicher, dass es alle Aufgaben erfüllt. Soll ein Kind zum Beispiel immer das beste in der Schule sein, wird die Mutter akribisch darauf achten, dass das Kind auch seine 3 Stunden am Tag lernt. Dafür werden teure Softwares gekauft, damit das Kind auch niemals auch nur eine 3 schreibt.
Wie lange das Kind etwas machen darf, bestimmt der Vater. Die Mutter ist lediglich die Exekutive, die seine Befehle ausführt. Sie droht dem Kind auch immer wieder, sollte es diesen Forderungen einmal nicht nachkommen wollen. Das Kind weiß, dass Papa sonst sehr böse wird und ihm sonst auch mal ins Gesicht schlägt. Das nennt sich Respekt. Vor Älteren und seinen Eltern muss man immer Respekt haben. Wenn Papa so ausrastet und schreit- das ist das allerschlimmste und muss unbedingt verhindert werden. Deswegen speichert das Kind sich, immer folge zu leisten. Egal worum es geht. Hauptsache Papa ist nicht böse. Und was Papa nicht ausspricht, dass muss das Kind eben erfühlen. Es versucht stets es seinem Papa recht zu machen, damit Papa lieb ist. Denn Papa ist oft schlecht gelaunt nach der Arbeit und redet oft auch sehr böse mit Mama. Er ist nicht besonders oft lieb zu ihr. Also gibt sich das Kind noch mehr Mühe die Wünsche des Vaters zu erfühlen, damit er lieb zu ihm ist.
Erfühlen ist sehr wichtig, auch was Mama angeht. Die ist oft sehr traurig und geht kaum mehr aus dem Haus. Sie kümmert sich um den Haushalt, aber Freunde kommen nie. Sie muss sehr alleine sein.
Aber über solche Dinge denkt ein Kind nicht nach. Wenn der Vater die Mutter stets schlecht Behandelt und die Mutter aus erwachsener Perspektive gar kein Leben mehr führt, ständig krank ist, keine Freunde mehr hat und nie aus dem Haus geht- dann ist das erschreckend. Aber ein Kind weiß soetwas nicht. Das Kind kannte es nie anders, also ist es normal. Das Kind sieht und lernt. Lernt und sieht.

Hauptsache Papa hat mich lieb

Sobald der Vater mit dem Kind das Haus verlässt, scheint er ein ganz anderer Mensch zu sein. Er blüht richtig auf unter anderen Menschen, alle bewundern und lieben ihn. Alle lachen über seine Witze, er ist sehr charmant. Und er nimmt das Kind jetzt viel öfter in den Arm oder prahlt mit ihm. Sowieso ist er auf einmal viel weniger streng. Diese wenigen Momente glaubt das Kind, dass sein Papa wäre in echt genau so. Lustig und lieb. Dass das nur die Maske ist, die er nach außen aufsetzt, das versteht es nicht. Es genießt diese wenigen Momente und hofft dass sie nie aufhören mögen. Papa liebt mich. Und wenn wir zu Hause sind, strenge ich mich einfach noch ein kleines bisschen mehr an. Dann wird Papa bestimmt wieder genau so sein wie jetzt.
Nur leider passiert das nicht. Sobald die Türen wieder verschlossen sind, scheint er es auch zu sein. Er ist wieder schlecht gelaunt und genau wie vorher.
Kommt euch hier was bekannt vor?  Die wechselnden Phasen zwischen „er liebt mich und ist gut zu mir“ und „er hasst mich und behandelt mich wie Dreck?“
Oder dass ihr ständig mit dem Narzissten das Gefühlt hattet, ihr müsstet euch nur noch ein bisschen mehr anstrengen und dann wird er wieder lieb zu euch sein?
All diese Mechanismen kennen die meisten von uns schon längst. Und auch das aushalten, obwohl der Missbrauch so schlimm ist. Wie unsere Mama. Die hat immer alles ertragen. Auch wenn sie viel geweint hat, während Papa einfach schlafen ging oder aus war. Mama hat immer alles ertragen, egal wie gemein er zu ihr war.
Und genau wie unsere Mama haben wir irgendwann das Haus kaum mehr verlassen. Waren ständig krank, hatten keine Freunde mehr.
Nicht wahr?
Narzisstischer Missbrauch kommt nicht aus dem Nichts. Viele von uns kennen ihn schon seit wir Kinder waren. Und viele von uns wiederholen immer wieder die gleichen Muster mit Menschen, die unseren Eltern ähnlich sind.
Papa hat dir nie die Liebe gegeben die du gebraucht hast und das wird er auch nie können. Aber genau so wenig wirst du sie von einem anderen Mann bekommen, der ähnlich ist wie dein Papa.
In Wirklichkeit müssen wir ihn loslassen lernen. Und die verlorene Liebe, die nie wieder zurückkommt. Unsere verlorene Kindheit. Und das tut weh. Richtig weh. Wie sterben fühlt sich das an. Natürlich tut es das. Weil dein Papa dich damals schon oft einfach sitzen gelassen hat wenn er böse auf dich war oder? Er ging einfach und ignorierte dich. Manchmal Tagelang. Als Kind heißt verlassen werden, sterben. Denn Kinder können nicht alleine überleben.
old-man-1653541_1280.jpg
Du aber, du jetzt und hier, du kannst es. Aber wirst du verlassen bist du wieder das kleine Mädchen von damals. Und dann fühlt es sich wie sterben an.
Du musst lernen das kleine Mädchen in dir kennenzulernen. Es zu hören, wenn es weint und verzweifelt ist. Musst zu ihm gehen und es in den Arm nehmen. Du als erwachsene Frau. Damit es lernt, dass es keine Angst mehr haben muss.
Es birgt keine Heilung an der Vergangenheit festzuhalten, noch unsere Elternteile auf all das anzusprechen. Sie werden nie verstehen, das können sie gar nicht. Sie sind keine Seelenlosen Monster, sie haben es Ihrerzeit nicht besser gewusst.
Wiederhole nicht das Leben deiner Eltern. Ich habe das 8 Jahre lang getan, bis ich erkannt habe, dass ich nicht wie meine Mutter irgendwann sterben will. Weil mein Körper und meine Psyche keine Kraft mehr haben. Ich will leben. Leben für uns beide. Sie wusste nichts von alldem und hat nie ihren Weg hinausgefunden aus dem Missbrauch. Deswegen tue ich es jetzt für uns beide.
Gebt nicht auf ihr lieben Menschen da draussen. Das Leben ist so schön. Arbeitet an euch, Schritt für Schritt, dann schafft ihr es.
Ich drücke euch aus der ferne.

Sehr gute Bücher um an sich selbst zu arbeiten:

Werbeanzeigen
Nürnberg, Deutschland

Eine Antwort auf „Der narzisstische Vater“

  1. Egal was ich hier lese, alles spiegelt sich und Triggert. Als wuerde ich ueber mein eigenes Leben lesen. Ich fuehle mit allen mit, denn,erst meine Eltern und dann mein Ex Mann , Vater und Ex sind Narzissten.
    Ich bin froh mich befreit zu haben und wuensche allen betroffenen das sie es auch schaffen. Nach 29 Jahren bin ich von meinem Ex weg. Zuhause damals mit 16 raus, aber da hatte ich schon das 2. Tor zur Hoelle aufgestossen und es erst 29 Jahre spaeter geschafft da raus zu kommen . . . Wartet nicht bis nichts mehr geht ,so schwer es ist.

Kommentar verfassen