Paartherapie mit einem Narzissten

Einige von uns mussten diese leidvolle Erfahrung schon machen, weil wir uns immer noch Hoffnung auf ein Happy End gemacht haben. Wir wollten einfach nicht wahr haben, dass wir uns etwas vormachen. Also kommen viele von uns irgendwann auf die Idee, mit dem Narzissten in eine Therapie zu gehen.
Natürlich werden nur die wenigsten Menschen mit dieser Störung auf die Idee kommen mit euch deswegen eine Paartherapie anzufangen- also seid es meistens ihr, die da Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um den Partner dorthin zu bekommen.
Nach endlosem Überreden kommt der Narzisst dann, wenn ihr Glück habt, endlich mit zur Therapie.

Lasset die Spiele beginnen

Von wie vielen Frauen und Männern habe ich mittlerweile gehört, was das für ein Horrortrip sein kann. Aber glauben konnte ich es erst, als ich es selbst erlebte.
Hier möchte ich mal für euch all die Erfahrungen zusammentragen, die ich bis jetzt so gehört habe.  Es gibt hier also nun zwei Möglichkeiten, wie das ganze ablaufen kann.

Möglichkeit 1

Ihr geht da also nun zusammen hin. Der Paartherapeut begrüßt euch. Du hast Hoffnung, dass er dich verstehen wird. Dass dir endlich mal jemand zuhört und ihm sagt, dass sein oder ihr Verhalten unmenschlich ist.
Nehmen wir das Beispiel, dass du seit ein paar Monaten von der Beziehung so ausgelaugt bist, dass du an einer schweren Depression leidest. Wo du dich vorher noch ganz allein um den Haushalt gekümmert hast und arbeiten gingst, bist du die letzten Monate zu kaum mehr etwas fähig. Du hast dich also nicht mehr kümmern können sondern einen Therapieplatz gesucht und auch schon einen in Aussicht. Aber du funktionierst eben nicht mehr.

Ihr seid nun also dort. Und nach einer Begrüßung, fragt der Therapeut euch beide danach, was ihr persönlich denkt, was bei euch schief läuft.  Da bei euch seit Jahren schon sehr viel schief läuft, dein Partner dich betrügt, belügt, sich immer nur um sich selbst und seine Belange kümmert, Streits vom Zaun bricht die dich nachhaltig total fertig machen, dich ständig kritisiert, er dich nach Streits Stunden, manchmal auch Tage ignoriert, schon mehr als einmal handgreiflich geworden ist, ihr seid Jahren kein Sexualleben mehr habt, geschweige denn Zärtlichkeiten austauscht, du mit jedem Jahr der Beziehung immer mehr chronische Krankheiten bekommen hast und er sich immer als Opfer von allem hinstellt – versuchst du dem Paartherapeuten das ganz sachlich zu erklären. Du erklärst ihm auch, dass du dir seit Jahren den Arsch für die Beziehung aufreißt und ständig an allen Fronten versuchst, den Schaden irgendwie zu minimieren, dass du ständig versuchst es ihm Recht zu machen und auch sonst schon alles Menschenmögliche getan hast, während er immer nur leere Versprechungen macht.

Du hast Angst, deine Stimme bebt, weil du immer noch Angst hast, die oder der verrückte in der Beziehung zu sein- aber nachdem du ihm alles erzählt hast bist du sogar ganz zufrieden mit deiner Zusammenfassung. Du hast deinen Partner weder runtergemacht, noch bist du unsachlich gewesen.

Nach deiner Zusammenfassung liegt auf der Hand was schief läuft.

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Aber weit gefehlt, jetzt ist nämlich dein Partner dran.
Er hatte ja jetzt genug Zeit sich vorzubereiten, hat gehört was du gesagt hast.
Und was jetzt passiert, wird dich mehr schockieren und dir mehr den Boden unter den Füßen wegreißen als du denkst.

Vor dir sitzt auf einmal ein ganz schüchterner Partner, der ganz leise spricht. Er wird davon erzählen wie er immer versucht hat ein guter Partner zu sein und seit Monaten ALLES alleine macht, weil du es ja nicht mehr kannst. Dass ihn das so dermaßen auslaugt und fertig macht, dass er am Ende seiner Kräfte ist.

Dass dieser Zustand erst seit ein paar Monaten besteht und vorher alles normal war, das wird nicht erwähnt- es scheint nur das jetzt zu zählen.
Und das erzählt dein Partner filmreif. Du wärst eine riesen Belastung für ihn und wenn er dann am Ende des Tages mit allen Aufgaben die ihm aufgebürdet wurden endlich fertig ist (er wird noch eine Auflistung erstellen mit Dingen die er alle tut), dann tut es ihm wahnsinnig leid, aber dann ist er so erschöpft, dass ihm die Lust für Zärtlichkeiten fehle. Und wäre das nicht alles schon filmreif genug, vergießt er vielleicht noch ein paar Tränen. So geht das ganze dann auch weiter, dein Partner erzählt immer mehr, aber natürlich immer nur die halbe Wahrheit, wichtige Aspekte werden einfach nicht gesagt.

Es ist ab jetzt egal was du tust oder sagst, alles wird von ihm verdreht, geleugnet oder so herumgedreht, dass er hier das arme Opfer ist.

Ehe du dich versiehst, fängt der Therapeut an mit deinem Partner Mitleid zu bekommen. Auf einmal scheint ihm alles Sinn zu ergeben, während DU nur die halbe Wahrheit erzählt hast. Und dann ist es auch egal, was du weiterhin sagst- auf einmal gibt der Paartherapeut dir das Gefühl, dass das schlechte Schauspiel gefruchtet hat.
Und egal wie viele logische Einwände du noch einwirfst, dein Partner wird die Lügen und Ausreden schneller parat haben, als du Gegenargumente.

Womit wir zu etwas sehr gefährlichem kommen- hier findet wieder eine typische Schuldumkehr statt – diesmal aber nicht nur vom Narzissten, sondern von einem Therapeuten. Du gehst also irgendwann da raus und dir wurde noch mehr eingeredet, dass du Schuld bist. Hier ist die Gefahr groß, dass du dich wieder beugst und den Missbrauch weiter erträgst. Weil wenn sogar ein Therapeut das sagt – genau das wird dein Partner bei jedem Streit in Zukunft sagen – dann musst du spinnen!

Entweder lässt du dich also blenden und bleibst bei ihm, oder du kennst für dich schon lange die Wahrheit, wachst endlich auf und  gehst.

Möglichkeit 2

Diese Möglichkeit hab ich bisher nur sehr selten gehört.
Ihr geht dorthin, redet mit dem Therapeuten und er durchschaut das Schauspiel deines Partners. Diese Option soll es geben, ist aber sehr selten.
Was dann passiert ist klar, der Narzisst fühlt sich kritisiert und angegriffen und verlässt die Therapie. Entweder steht er mitten im Gespräch auf und geht oder er weigert sich schlicht, jemals wieder dorthin zu gehen.

Kein Happy End in Sicht

Du siehst also, beide Optionen führen weder zu einem Happy End, noch dazu, dass der Narzisst versteht was er dir angetan hat. Du wirst ihn niemals dazu bringen zu verstehen. Deswegen sei du die Veränderung die du dir wünschst- geh in therapeutische Behandlung, arbeite an deinen Anteilen. Auch wenn der Weg lange und schwer ist, hab Geduld mit dir und überstürze nichts- geh deinen Weg. Und wenn du einmal am Ziel bist, wirst du nie mehr solche Menschen anziehen.


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12 Antworten auf „Paartherapie mit einem Narzissten“

  1. Hab Möglichkeit Nummer 1 mit meiner Ex-Frau in einer von mir angeleierten und bezahlten Paartherapie bei 2 Beratern erlebt.

    Was bei uns als Schwerpunkt noch dazu kam war ihre narzisstische Herkunftsfamilie bei der wir gelebt hatten. In diesem Verbund war ich der Aussenseiter und viel Szenen geprägt von Illoyalitäten seitens der Ex-Frau mir gegenüber. Ich hatte den Eindruck mit 10 Personen verheiratet zu sein und ich in der Priorität den letzten Platz Inne zu haben.

    Ich wollte in der Paarberatung erreichen das die Frau samt Kind mit mir ein eigenes Leben auf neutralem Boden zu leben. 3 Jahre mit Unterbrechungen, Versprechungen und mehr war pure Geld- und Zeitverschwendung. Statt an der Ehe zu arbeiten wurde ich übergangslos ausgetauscht.

    Die Ex wohnt noch heute mit 46 J. bei der Herkunftsfamilie und wird dort gepampert. Die Tochter (17J.) wurde manipuliert und im Nachschlag juristisch in haltlosen finanziellen Forderungen vor Gericht instrumentalisiert.
    Alle juristischen Vorwürfe und Klagen hat die Ex verloren. Ich hab die Tochter verloren!

  2. Bei mir war es die Möglichkeit 2 . Er ist einfach gestanden und hat gemeint dass hat eh alles keinen Sinn. Ich würde immer die Schuld bei Ihm suchen.

  3. Bei mir war es daß die Therapeutin uns nicht mehr weiterhelfen konnte da wir auf dem richtigem Weg sind, als die Tür ins Schloss fiel, sagte mein Mann :“Endlich hat dieser scheiß ein Ende!“… Es war in unserer Beziehung weiter so wie vorher Ich bin nach einem Jahr ausgezogen. Habe es ein halbes Jahr lang vorbereitet und doch gibt es noch viele zu bedenken…. Die Macht und Kontrolle ist nicht zu verachten. Seid vorsichtig. Ich konnte es nicht glauben.

  4. ich kenne beide Varianten – sie laufen genau so ab. Irgendwie sind die ja sehr leicht zu durchschauen, wenn man erst mal furchschaut hat eie Narzissten ticken.

  5. Huhu,

    als aller erstes viel mir unsere aktuelle Trennungsberatung ein.
    Vor etwa 2 Jahren ging ich zu einer Beratungsstelle, weil ich nicht mehr wusste was mit unserem/ meinem Leben los ist.
    Ich wollte mit jemanden professionellem reden, der sich in Sachen Ehe auskennt.
    Er kam damals nach etwas zögern mit. Nun saßen wir dort, und jeder hatte seine eigene Meinung von dem was in den letzten Jahren ablief…!!!
    Ich hatte das Glück, dass der Therapeut/ Berater ihn durchschaut hatt und noch tut.
    Vorallem auf Grund von vorran gegangenen Psychotheraphien und dergleichen von Ihm, konnte ich meine meinung untermauern, obwohl ich mittlerweile ja selber an Depression, Erschöpfung, Gedächtnisverlusst usw. lid/ leide.

    Nach 2 Sitzungen die zum Glück vom Zeitabstandt sehr weit auseinander waren 8 in der Zeit hatte ich mich getrennt ) , wandelte sich diese Therapie in eine Trennungsberatung.

    Wir sind auch mittlerweile soweit, das wir zu 4 im Kreis sitzen, da es schwer ist sich von ihm nicht manipulieren zulassen und dass ich jemand an meiner Seite habe, damit ich wieder lerne mich durch zu setzen.
    Es ist echt anstrengend, da sehr viele Sachen zu regeln sind, aber die Berater bitten mich immer wieder Geduld zu haben, denn wenn es vor ein Gericht geht, werden wir dazu verdonnert zu einer Trennungsberatung zu gehen und somit habe ich das alles schon auf freiwilliger Basis im Vornherein gemacht und das Ergebnis dabei ist/ war halt niederschmetternd.

    Im Grunde genommen ist die Tr.Bera. so gut wie eine Psychotherapie, ich kann sehr gut an meinen Defiziten arbeiten, arbeite allein an meiner Zukunft, gleichzeitig löse ich mich in jeglicher Hinsicht von ihm.
    Bekomme viele Anregungen, die ich in mein allteag umsetzen kann.
    Meine Seele heilt und kann verarbeiten, auch wenn er mit anwesend ist, so habe ich ihn immer im Blick , hab das Exemplar gleich vor mir, was ich ja nicht mehr in meinem Leben haben möchte.

    Ach und zu guter letzt, viel mir noch ein Typischer Satz von ihm ein,
    wenn wir uns gestritten hatten und er auf mich zu kam, sagte er oft:

    Mach langsam,
    gibt man dir den kleinen Finger, willst du immer die ganze Hand.

    Natürlich hat er damit wieder ein wundenpunkt getroffen.

    Jetzt bin ich mir aber Bewusst, dass er in dem Moment sein spiel nicht beendet hatte.

    Ich wünsche euch allen viel Kraft , Geduld, ganz viel Liebe und Erkenntniss in der Zukunft.
    Ihr seid es alle Wert auf der Welt zu sein…!!!!

  6. Exakt. Mit wollte er durch den Therapeuten weiß machen, dass ich Borderlinerin sei. Ich habe die Therapie nie mehr besucht mit ihm, weil mir klar war, dass er da ne Allianz aufmachen will gegen mich. Schäbig ist das. Aber nur weil es mir klar war, konnte ich mich noch lange nicht rauslösen. Ich erkannte zwar was er tut, konnte aber erst später die Reißleine ziehen und mich befreien.

  7. Bei mir schien es die ersten 2 Sitzungen auf Variante 1 rauszulaufen, dann hat ihn der Therapeut durchschaut und es wurde Variante 2. Der Therapeut riet uns zur Trennung und brach die Therapie ab. Mein Partner sah dies als Beweis der Unfähigkeit des Therapeuten und dass dies, wie er ja schon vorher gesagt hätte, völliger Schwachsinn und nutzlos sei (die Therapie). Wir bräuchten sicher keine Hilfe von aussen und alles würde gut werden, etc. …. Der Therapeut rief mich einige Tage später an und hat mir 1.) geraten mich zu trennen, wenn ich nicht als leere Hülle meiner Selbst ein Leben neben ihm fristen wolle (was irgendwann nur noch mit Medikamenten auszuhalten sei) und 2.) mir Kontakte zu Beratungsstellen gegeben. Erst dort begann ich überhaupt langsam zu erkennen, dass er ein Narzisst ist (auf den Begriff selbst stiess ich aber erst sehr viel später), habe trotz allem nochmals längere Zeit gebraucht, es wirklich zu begreifen und dann auch Schritte zur Trennung durchzuziehen.

    Kleiner Tipp für so Therapiesitzungen: lasst immer den Narzissten zuerst reden. So wisst ihr 1.), was er sich für die Sitzung zurechtgelegt hat (oftmals Halbwahrheiten und Lügen, bzw. verdrehte Fakten) und 2.) kann euer Narzisst so nicht erst anhören was ihr euch vom Herzen redet und dieses anschliessend systematisch niedermachen.

  8. Ich hatte richtig viel Glück mit der Therapeutin, die mein Ex nach einer Trennung ausgesucht hat, um dort eine Paarberatung zu machen. Sie hat ihn durchschaut, woraufhin er nicht mehr mit zur Beratung gegangen ist. (Paralell haben wir aber eine „neue“ Beziehung miteinander angefangen…) Er meinte, ich hätte ein psychisches Problem, ich solle allein hingehen. Das habe ich auch getan und das hat mir geholfen, mich endgültig zu trennen. Bin wahnsinnig dankbar und kann diese Psychologin jedem empfehlen.

  9. Nun mal eine Männerstimme…
    Bei uns war es Möglichkeit 2. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass meine Ex eine (bis dahin? emotionale) Affäre hatte, war ein Weg, es mit einer Paartherapie zu versuchen. Was folgte, war ein Stakkato an Forderungen, Vorwürfen und Schuldzuweisungen in meine Richtung, Opferstatus in ihre Richtung (Ich sei ja schuld gewesen, dass es soweit gekommen war) und massive Vorwürfe dahingehend, dass ich nach Bekanntwerden der Affäre emotional und nicht „stark“ reagiert hätte. Kernforderungen waren, dass ich mich ihrer Famile bedingungslos anpassen solle und vor allem zu akzeptieren hätte, dass sie gerne mit anderen Männern flirte, wenn sie mit ihren Freundinnen unterwegs sei. Als ich in der dritten Sitzung anmerkte, dass wir ja gerne weiter über mich sprechen könnten, ich aber auch über meine Gefühle etc. sprechen möchte, dauerte es original zehn Minuten, bis sie die Beratung abgebrochen hat, weil sie sich an den Pranger gestellt fühlte. Danach folgten noch ca. 6 Monate „Beziehung“, bis ich mich endgültig getrennt habe. Weitere sechs Monate später musste ich erfahren, dass die o.g. Affäre erst nach bekannt-werden richtig los ging und die beiden sich regelmäßig in Hostels zum Stell-dich-ein getroffen haben und auch mind. ein weiterer Mann während einer Fortbildung zum ONS eingeladen worden war.

    1. Hey, das ist ganz schön krass,, aber diese Menschen benötigen diese Beachtung, Anerkennung, Nervenkitzel und es wird immer schlimmer…. Das Loch in ihnen ist mit nichts mehr zu füllen… Es muss immer mehr, mehr sein… Das kann keiner wuppen… Wünsche dir ganz viel Kraft 💪 Sei stark und versuche los zu lassen.. Es ist nicht leicht… Ich habe 37 jahre gebraucht.. Du schaffst das, es wird ganz langsam besser und wenn es nur kleine Ameisen Schritte sind.

  10. Oh gott, aber genau das ist was sie benötigen . .Aufmerksamkeit, Anerkennung…. und es reicht nicht nur vom Partner, das Loch was gestopft werden muß, wird immer größer … Das kann man nicht aufhalten, es tut weh diesen Menschen los zu lassen….
    Ganz viel Kraft ..

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