Das lukrative Geschäft mit den „Empathen“

Ich lese die letzten Jahre sehr viel zum Thema Narzissmus. Neben der wichtigen Fachliteratur schaue ich mich natürlich auch auf anderen Kanälen um. Schaue mir Videos an, lese Artikel von anderen Seiten. Und heute möchte ich euch mal auf ein sehr gefährliches aber sich immer weiter verbreitendes Phänomen aufmerksam machen, vor dem ich euch warnen mag.

Wenn Hochsensibel zum besseren Menschen deklariert wird

Wie oft höre ich es mittlerweile, dass Menschen die Hochempathen oder Hochsensible Menschen die allerbesten auf der Welt zu sein scheinen.
Es gibt gar keine Betroffenen mehr die unter Narzissten oder Toxischen Menschen leiden, sondern NUR noch Empathen. Alle Betroffene werden in diese Kiste gesteckt. Und nicht nur das- viele manipulative Coaches und Psychologische Berater gehen sogar noch ein Stück weiter – sie beginnen sie zu erhöhen.  Wir sind also nicht nur Empathen, nein, wir sind auch noch toller als alle anderen Menschen! Und weil wir so toll und ehrlich und treu und unfehlbar sind, finden Narzissten uns besonders toll.
So oder so ähnlich lauten die Artikel oder Videos, mit denen man heut zu Tage regelrecht bombadiert wird. Da wird gefühlte Stunden auf die armen und tollen Empathen eingeredet, bis ihnen der Mund wässrig wird.
Das wird so lange betrieben, bis eindeutiges Lovebombing nicht mehr von der Hand zu weisen ist.
Das schlimme ist, dass wir Betroffenen das in unserer Not meistens nicht erkennen.
Wir fühlen uns geborgen und bestätigt und auch die Erhöhung tut nach so einer toxischen Beziehung unfassbar gut.
Das wir dadurch aber gerade wieder an den nächsten toxischen Menschen geraten- das merken wir nicht.

Ein lukratives Geschäft entsteht

Gerade in der sogenannten Coachingszene ist diese Erhöhung von Empathen ein sehr lokratives Geschäftsmodell geworden. Betroffenen wird lange genug eingeredet großartig zu sein und schließlich werden sie dann für teure Workshops oder Seminare geködert, die unter 200 Euro nicht zu haben sind.
Betroffene schlagen dann meist sofort zu- denn sie fühlen sich unglaublich gut verstanden. Der Kopf setzt dann auch vollkommen aus, es wird nicht mehr nachgeprüft, woher dieser Coach überhaupt kommt und was für Referenzen er hat.
Ob er vorher beim Theater war oder Marketingspezialist interessiert nicht mehr.
Dabei ist die Sache oft mehr als eindeutig.

Wer nur gut genug reden kann, der wird gebucht- so einfach ist das.
Wie in einer narzisstischen Beziehung wird man erst mit Liebe übergossen und dann in den Bann gezogen. So züchtet man sich eine Fangemeinde an- Flying Monkeys vom feinsten. Dass der Betroffene Coach selbst niemals Betroffener von narzisstischem Missbrauch gewesen ist interessiert da nicht mehr. Oder dass seine fachlichen Ausführungen zu Narzissmus sehr oberflächlich oder gar falsch sind.
Wir fühlen uns eben so bestätigt, dass wir an den Lippen eines anderen hängen- und unser Drama sich wiederholt ohne es zu merken.

cropped-desperate-2293377_1920-1.jpg

Feindbilder ausschalten

Was mir noch extrem auffällt ist, dass solche toxischen Persönlichkeiten „Konkurrenz“ absolut nicht aushalten können. Also werden sie das tun, was Narzissten immer tun- sie verbreiten Lügen und schlechtes über andere, die im Grunde den gleichen Job machen.
Kein Schmierentheater ist ihnen dafür zu schade, wenn es sein muss, vergießen sie sogar ein paar Krokodilstränen. Gerade Frauen können hier in der gespielten „Kleines Mädchen Opferrolle“ sehr gut überzeugen. Aber versteht mich nicht falsch, es gibt auch mehr als genug Männer, die durch ihre gespielte Opferhaltung Betroffene gut überzeugen können.
Sie posten täglich passiv- aggressive Texte, wo sie alle anderen „durch die Blume“ abwerten und sich selbst natürlich in einer Tour erhöhen. Dabei merken sie meist nicht, dass sie lediglich ihre eigenen schlechten Anteile spiegeln.
Eben wie in einer narzisstischen Beziehung – anderen werden Dinge vorgeworfen, die den Narzissten selbst beschreiben.
So sind sie meist die „Bauernfänger“, als die sie andere bezeichnen.
Es wird mehr Zeit darin investiert passiv die Arbeit anderer abzuwerten, als über das Thema selbst aufzuklären, logisch, da viele kaum oder nur oberflächliches Wissen über das Thema besitzen. Daran merkt man als Betroffener aber schnell, wo der Hase wirklich lang läuft. Auch wenn die Berater sich ständig als Opfer hinstellt oder ihr merkt, dass jede konstruktive Kritik sofort gelöscht wird.
Natürlich wird durch das ständige als Opfer hingestelle, derjenige immer schön weiter mit Energie der Betroffenen genährt. Wie in einer narzisstischen Beziehung wird hier also von Betroffenen immer mehr Energie und Aufmerksamkeit verlangt.
Ihr seht also, so viel Unterschied zu einer narzisstischen Beziehung ist hier gar nicht.

Wo viele Berater einfach in Harmonie zusammenarbeiten und glücklich darüber sind, dass so viele Menschen mittlerweile über Narzissmus aufklären, meinen die toxischen Berater die einzig wahren zu sein.
Sie arbeiten mit niemandem zusammen und stoßen „Konkurrenz“ ab.

Wo Menschen wie du und ich nicht einmal eine Konkurrenz in anderen Beratern sehen, wird hier erbittert um Aufmerksamkeit gekämpft.
Und wer steckt mittendrin? Die Betroffenen!

Nicht blenden lassen

Ich mag euch gerne mal meine persönliche Meinung sagen.
Bitte hört auf diesen Empathen Quatsch zu glauben und euch verführen zu lassen.
Die Wahrheit ist doch, dass jeder auf einen toxischen Menschen treffen kann, der kindliche Traumata in sich trägt. JEDER. Auch der unempathischste Mensch könnte das.
Wir sind nicht mehr besonders als andere Menschen.
Wir sind Betroffene von narzisstischem Missbrauch und keine GÖTTER.
Einfach nur stinknormale Menschen. Und das ist gut so.
Klar ist jeder gerne herausragend und besonders- aber genau mit solchen Phrasen wirst du eingefangen um am Ende mit leerem Portemonaie wieder am Anfang zu stehen.
Niemand der dir nur nach dem Mund redet, sagt dir die Wahrheit.

Die Wahrheit ist bitter und dreckig und überhaupt nicht so schön.
Du gerätst immer wieder an solche Leute, weil das Leben dir diese Lektion so oft bereiten wird, bis du sie gelernt hast.
Bis du endlich lernst dich selbst zu lieben und zu achten.
Und es ist egal ob du empathisch bist, oder Veganer oder Weintrinker.
Wir sind alle gleich- wir sind alle MENSCHEN.

Und uns ständig zu erhöhen und den Narzissten runterzumachen ist genau so narzisstisch. Es hilft dir vielleicht für den Moment deine Wut rauszulassen, aber langfristig wird es dir nichts bringen.

Wenn du Liebessüchtig bist, dann geh zu einem Profi- zu einem Therapeuten oder tausch dich in den vielen kostenlosen Facebookgruppen mit anderen Betroffenen aus.
Du hast es nicht nötig dir ständig nach dem Mund reden zu lassen.
Es gibt mittlerweile sogar ausgebildete Therapeuten, die auf Youtube Videos machen.
Und natürlich gibt es auch sehr gute Coaches und Berater, aber die erkennst du eher daran, dass sie ehrlich zu dir sind statt dir nach dem Mund zu reden.
Sie bieten dir persönlichen Austausch an, statt dich zu erhöhen.

Wie sagt ein bekannter Psychologe oft? „Nichts kann sich so richtig anfühlen, wie die falsche Beziehung.“ – und das kann man sehr gut auf ALLE toxischen Menschen anwenden.
Natürlich bist du toll und einzigartig, das sind wir alle. Aber dafür brauchst du keinen Empathenstempel. Du musst einfach nur du sein. Das reicht vollkommen aus.

Und es tut mir echt leid aber- ich werde weiterhin ehrlich mit euch sein. Auch wenn das oft zu großen Diskussionen führt. Ich achte euch alle und respektiere euch, aber ich werde euch nicht nach dem Mund reden oder euch in die Empathen Schublade legen.
Ich denke wir sind alle gleich- auch die Narzissten. Die sind auch nur kranke Menschen. Das entschuldigt ihr Verhalten nicht, aber ich finde die Verantwortung für unser Leben liegt nur bei uns!

Und wir müssen lernen das endlich wieder anzunehmen und zu verstehen.

Hier hab ich schonmal ein Video zum Thema gemacht:


Empfohlene Bücher:

Werbeanzeigen

4 Antworten auf „Das lukrative Geschäft mit den „Empathen““

  1. …Und uns ständig zu erhöhen und den Narzissten runterzumachen ist genau so narzisstisch. Es hilft dir vielleicht für den Moment deine Wut rauszulassen, aber langfristig wird es dir nichts bringen….

    Es erzeugt nur neue Narzissten – Opfer die sich in einer Erhöhung vor der Kränkung schützen.

    Dass die Erkenntnis schmerzhaft sein kann, gleichsam Täter und Opfer zu sein ist leider so – wird jedoch den weiter bringen, der bereit ist, die eigenen Anteile zu betrachten und mit Achtsamkeit Veränderungsprozesse einzuleiten.

  2. Das ist ein guter Bericht, denn von dieser Seite habe ich meine Situation noch nicht betrachtet! Und du hast recht, die Gefahr in diese naechste Schublade zu rutschen ist tatsaechlich da! Man verrennt sich da in was, anstatt das Problem anzupacken. Ich persönlich moechte dir immerwieder fuer deine Ehrlichkeit danken!

  3. Ich liebe deine Berichte, besonders weil sie so ehrlich sind und weil sie stets gute Denkanstösse liefern. Vor kurzem habe ich einen Spruch von Werner Mitsch gelesen, der recht gut zu dem heutigen Bericht passt: *Angeber sind Sprachriesen, in denen sich Denkzwerge verstecken*

  4. Ich glaube, wenn der emotionale Schmerz aufgrund von Liebesmangel so stark ist, setzt das Denken aus. So war das zumindest bei mir. Mich hätte da niemand warnen können, aber ich habe jedes Mal intuitiv dazugelernt. Letztendlich ist es die Suche nach der eigenen, wahren Identität. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber für mich war die Identifikation mit „empathisch sein“ eine zeitlang so wichtig, weil ich mich derart unmenschlich und verdreckt gefühlt habe. Es war, als ob ich mir eine neue Jacke anziehen darf, die mir viel besser paßt. Alle diese Umwege und Selbsterhöhungen dienen vermutlich dazu, die Mitte, den wahren Kern zu finden. Vielleicht muß man diese Umwege bei anderen auch ertragen können und wissen, dass man einfach „da“ ist, wenn der andere erkannt hat, das es nichts gebracht hat. Für mich waren diese Fehlzündungen (im wahrsten Sinne des Wortes 😀 ) notwendig um jetzt da zu sein, wo ich bin. Und es ist wahr, was Du schreibst. Manche mögen dadurch „aussteigen“ können, andere vielleicht nicht. Vielleicht noch nicht. Auf jeden Fall ist es schwer die Dinge beim Namen zu nennen, wenn man drinsteckt. Die Scham, so sehr nach Liebe zu suchen, kann sehr bedrückend und isolierend sein. Diese Perspektive ist mir auch wichtig.

Kommentar verfassen