Narzissmus – Warum Loslassen so weh tut

Wir schreiben hier zwar oft und viel über narzisstische Beziehungen, aber meist sind Betroffene gerade deswegen so anfällig dafür, weil sie schon in der Kindheit narzisstischen Missbrauch erleben mussten.  Heute wollen wir mal darauf eingehen, was eigentlich passiert, wenn man schon als Kind einen toxischen Elternteil hatte und wie sich das auf die zukünftigen Beziehungen auswirken kann.
Oft liegt nämlich genau hier schon der Knackpunkt von vielen Betroffenen, die im Erwachsenen Leben immer wieder an Narzissten oder toxische Menschen geraten.

Erinnerst du dich an deine Kindheit?

Die meisten Klienten mit denen ich spreche, kommen erst gar nicht darauf mal in ihrer Kindheit zu stöbern. Wenn ich sie frage, wie denn seine oder ihre Kindheit war, dann kommt meist die Antwort: „Wieso? Ganz normal.“ – Und das ist eine ganz natürliche Antwort die wir alle schon einmal gegeben haben. Denn für uns, das Kind- war unsere Kindheit in den meisten Fällen ganz normal, denn wir kannten ja nur diese eine.
Es gibt natürlich auch Extremfälle wo Kinder auch körperlich Misshandelt wurden. In den Fällen erinnert mich sich dann auch als Erwachsener daran.

Fand aber „nur“ psychischer Missbrauch statt, erinnern sich die wenigsten daran. Für uns als Kind ist unsere Kindheit immer normal, deswegen lohnt genau hier immer ein Blick dahinter zu werfen. Wenn ich dann genauer nachfrage und der jenige ein bisschen von sich erzählt, verstummt er irgendwann von ganz alleine.
„Aber… o man jetzt wo ich es mal so laut sage… klingt das schlimmer als ich dachte.“
Viele werden dann ganz beschämt, weil sie tatsächlich oft das erste Mal überhaupt darüber nachdenken. Dann entsteht meist eine kleine Pause und ich bitte die Klienten, mal wieder hineinzufühlen, weiter zurück. Und dann fallen meist auf einmal ganz viele Groschen von ganz allein.
„Meine Mama hat sich auch immer so verhalten,“ erzählt mir eine Klientin vor einer Woche. „Sie hat mich auch immer tagelang ignoriert, hatte immer etwas auszusetzen an mir und meinem aussehen und hat immer alles bestimmen wollen.“
Die Klienten sprechen dann fast schon nicht mehr aktiv mit mir, sondern mehr mit sich selbst. Es wird ihnen auf einmal bewusst, dass sie die Muster ihrer toxischen Partner mit Nichten zum ersten Mal erleben.

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Relikte aus der Kindheit?

In den meisten Gesprächen erkennt der Klient oder wir beide zusammen, dass die Wunden die hier in der Gegenwart immer wieder zugefügt werden, meist schon aus der Kindheit kommen. Meist ist es immer ein Elternteil, der sich komischerweise immer verhalten hat wie unser toxischer Partner.
Und das macht sehr wohl einen Sinn. Denn wenn wir mit einem Elternteil Traumata in der Kindheit durchlebt haben, bleibt das ganz tief in uns drin verwurzelt. Es entstehen die allseits bekannten negativen Programme in uns: „Du bist dumm“, „Du bist zu dick“, „Du taugst nicht“, „Du wirst ohne mich nie etwas wert sein“. Hier gibt es noch unzählige, die sich als Kinder tief in unsere Seele einbrennen und uns von da aus unser ganzes Leben begleiten.
Oft haben wir dann von genau diesem Elternteil nie die Liebe bekommen die wir gebraucht hätten. Viele von uns wurden von diesem Elternteil komplett allein gelassen.
Und als Kinder allein gelassen zu werden, kommt dem sterben nah. Denn als Kinder sind wir abhängig von unseren Eltern.
Dieses allein gelassen Gefühlt werden wir ebenfalls unser ganzes Leben in uns tragen und nicht nur das- auch wenn wir Erwachsen sind, wird sich verlassen werden immer noch wie sterben anfühlen. Nicht weil wir sterben würden, aber weil dein Gehirn sofort die parallelen aus der Kindheit zieht. Dein Verstand kann nicht unterscheiden zwischen jetzt und damals.  Genau deswegen hast du diese schrecklichen Todesängste, wenn dein Partner mit deiner Verlustangst spielt. Sie ist quasi ein Relikt aus deiner Kindheit, aus dem verlassenen inneren Kind in dir. Dann bist du auf einmal kein Erwachsener Mensch mehr , sondern wieder 5 Jahre alt, oder sogar noch jünger. Du bist durch das reaktivierte Trauma nicht mehr in der Lage wie ein Erwachsener zu denken.
Das alles läuft aber meist unterbewusst ab, das alles.
Du ziehst immer wieder toxische Partner an und durchlebst mit ihnen immer wieder dein kindliches Trauma.

Deswegen erscheinen dir diese Partner auch von Anfang an viel zu vertraut. Man hat viel zu schnell das Gefühl, sich schon ewig zu kennen.
Ja, denn es ist ja wirklich so! Es ist ein vertrautes Gefühl aus deiner Kindheit. Das gibt dir Sicherheit und Geborgenheit. Zu mindest in der ersten Zeit.

Wie können wir heilen?

Ziehen wir also jetzt unser Leben lang toxische Menschen an? Gibt es keinen Ausweg für uns?
Ach Unsinn meinen lieben, natürlich gibt es den. Bewusstwerdung ist hier das Zauberwort. Denn solange du blind die alten Wunden aus deiner Kindheit mit toxischen Menschen immer wieder neu aufreißt,  (und das passiert automatisch, weil toxische Menschen dich immer wieder verletzen werden und die negativen Programme in dir triggern und verstärken werden) wirst du nie heilen können. Im Gegenteil du lebst ständig mit einem jüngeren Ich deiner selbst und wenn es ganz blöd läuft, kannst du dich irgendwann gar nicht mehr lösen.
Es ist also essenziell wichtig, dass du eine Therapie machst. Hier gibt es verschiedene Formen und Arten, probier für dich aus, was sich da am besten anfühlt.
Such dir einen Therapeuten, dem das Thema nicht fremd ist und bei dem du dich wohl fühlst. Nur durch das auflösen deiner inneren Traumata, kannst du dich wirklich aus dieser Falle lösen, immer wieder solche Menschen anzuziehen.

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Und ganz wichtig ist- nur recherchieren, nur lesen und hören reicht nicht. Zwar wird dein Verstand es dann nachvollziehen, aber dein inneres Kind wird immer noch leiden und du wirst dich immer wieder in solchen Konstellationen wieder finden.
Also scheu dich nicht davor, dir einen Experten zu suchen.
Ruf einfach mal bei deiner Krankenkasse an, die helfen dir schnell und kompetent weiter. Dann wirst du eine Liste mit Therapeuten bekommen, die du einmal durchtelefonieren kannst. Wichtig ist- geh zu allen Probesitzungen und stimme einer Therapie erst dann zu, wenn du dich wirklich wohl fühlst.

 

 

Hilfreiche Literatur:

 

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2 Antworten auf „Narzissmus – Warum Loslassen so weh tut“

  1. Liebe Artemis.
    Ein sehr guter Beitrag.
    Du hast völlig Recht das man sich erst einmal um sein inneres Kind kümmern muss. Ich habe die Form der Schema Therapie gemacht.( Ich habe viele Diagnosen. Eine davon ist Borderlinerin.)
    Mir hat diese Therapie sehr geholfen. Allerdings ist sie kein Spaziergang. Ist mit sehr viel Tränen und Kraft verbunden. Aber es lohnt sich.
    Liebe Grüße Heike Burkhardt

  2. Hallo, ich stecke momentan noch in einer narzisstischen Beziehung aber bin dabei mich von ihm zu lösen. Es tut sehr weh und es fliessen sehr viele Tränen. Da ich mit Narzissten schon Erfahrung hatte, weil ich 14 Jahre lang mit einem verheiratet war und funktioniert hatte wie eine Marionette bis er dann an Leberkrebs verstarb, habe ich diesen Fehler mit schnell zusammen ziehen und schnell heiraten nicht mehr gemacht. Allerdings hatte ich es trotzdem zu spät gemerkt. Jede kleinste Kritik ist für ihn ein riesiger persönlicher Angriff. Er straft mich dann durch Liebesentzug wochenlang. Als ich ihm dann sagte es ist aus und es gibt kein zurück, da kam wieder Love bombing. Da ich aber weiss weshalb er das macht und dass seine gespielte Liebe nicht echt ist, gibt es für mich auch kein zurück. Ich vertraue ihm nicht mehr. Das schlimmste an der Sache ist, dass ich ihn noch zu sehr liebe und ich kann nicht mehr aufhören zu heulen. Am schlauesten ist meine Hündin. Die hatte ihn von Anfang an durchschaut und mich gleich gewarnt vor ihm. Nun versucht er über meine Hündin mich wieder zurück zu erobern. Er besticht Anjala mit Leckerlies, Streicheleinheiten u.s.w. Love bombing über meine Hündin um mich zurück zu bekommen. Ich hoffe, dass ich die Kraft noch habe um ihm bis zum Schluss zu widerstehen. Ich guck mir jedes Video an. Sie sind wirklich eine Hilfe. Ich wünsche den Betroffenen sehr viel Kraft. Eure Andrea und Anjala

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