Sex mit einem Narzissten – Ein Erfahrungsbericht

Da dieser Erfahrungsbericht sehr Explizit ist, setzen wir hier eine deutliche:

Trigger Warnung

Intimität mit einem Narzissten

Ich teile nun meine Erfahrungen aus einer elfjährigen Beziehung mit einem schwer narzisstischen Mann. Um die Geschichte leserfreundlicher zu gestalten, teile ich die Geschichte in thematische Abschnitte ein ( als Hochsensible empfinde ich lange Textpassagen oft als sehr anstrengend ). Hier kommt meine Geschichte…

Die Sucht nach Verschmelzung

Als wir uns kennenlernten, war ich sofort hin und weg von ihm und ich fühlte mich körperlich ungeheuer zu ihm hingezogen. Er war relativ frisch getrennt aus einer mehr als zwanzig Jahre währenden Verbindung, und er war um einiges älter als ich. Ich fand ihn unwahrscheinlich attraktiv und nachdem wir das erste Mal miteinander geschlafen haben, führten wir eine sehr intensive Sexualität. Ich wollte mit ihm verschmelzen, in ihm eintauchen, unter seine Haut kriechen. Wir schliefen immer und überall miteinander: im Bad, am Herd, im Bett, im Flur, vor dem Spiegel, im Wohnzimmer…
Ich hatte mich auch in den beiden Beziehungen zuvor als sexuell sehr aktiv wahrgenommen ( beide sehr sensible, sinnliche Männer ) und genoss unsere Sexualität in vollen Zügen. Bald kamen natürlich die ersten Gespräche über die Historie der Sexualität auf, und er erzählte mir etwas, das ich schlicht nicht glauben konnte…

Die Geschichte vom armen Opfer einer frigiden Frau

Nachdem wir wieder einmal unter derselben Decke lagen und gerade miteinander geschlafen hatten, sagte er zu mir, ich sei seine Offenbarung. Unter einer intensiven Leidensmiene erzählte er mir, seine Frau habe ihn seit der Geburt ihrer Kinder maximal alle vier Wochen ein Mal „rangelassen“. Dabei seien nie Stellungswechsel vollzogen worden, es sei immer derselbe Ablauf gewesen, bis sie ihm nach fünf Minuten den Orgasmus vortäuschte und ihn zum „Aufhören“ bewegte. Immer nur habe sie ihre Interessen im Blick gehabt und er sei unbefriedigt „stehen gelassen worden“.
Ich konnte mir das damals nicht vorstellen. Seine Ex – Frau musste eine böse, frigide Alte gewesen sein. Wie konnte sie ihm das vorenthalten? Er hatte mit Sicherheit Recht: Sie musste eine Affaire gehabt haben; und ließ ihn elendig verhungern. Wo er doch so viel arbeitete, um seiner Familie alle Wünsche zu erfüllen.

„Es fehlt etwas“ – Sexualität versus Intimität

Etwa acht Wochen in unsere Beziehung hinein schwante mir langsam, dass irgendetwas fehlte. Ich musste lange darüber nachdenken, aber dann fiel es mir eines Abends wie Schuppen von den Augen. Seine Küsse waren kalt und hart, nicht sanft und leidenschaftlich. Er war ein entsetzlicher Küsser – das hatte ich in den beiden Beziehungen zuvor ganz anders erlebt. Außerdem sah er mir nie in die Augen. Gerade, wenn ich frisch verliebt bin, kann ich in den Augen meines Partners stundenlang versinken, wenn unsere Blicke miteinander verschmelzen.
Ich sprach ihn irgendwann darauf an, dass mir der Blickkontakt sehr fehlt. Er sagte, er macht sich nichts aus „sich in die Augen schauen“, damit muss ich mich abfinden.
Ich bemerkte kurz darauf, dass ich den Sex als sehr mechanisch erlebte, kein Blickkontakt, keine berauschende Begierde, keine warmen Küsse, bei denen sich die Seelen der Partner im Atem miteinander verbinden. Bereits nach zehn Wochen wurde meine Lust auf diesen Mann dramatisch weniger. Natürlich trugen erste narzisstische Wutanfälle ohne anschließende Klärung und Entschuldigung ihr Übriges dazu bei. Ich mochte den Mann nicht in mir haben, nachdem er mich ohne jedweden Grund ganze Abende und die darauf folgenden Tage behandelt hatte, als wäre ich nicht dort.

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Weib – komm!

Die Häufigkeit, mit der wir miteinander schliefen, ließ ein wenig nach, aber es fand immer noch täglich statt. Ich empfand das miteinander schlafen zusehends als Pflichtübung. Er begann, mich unter die Dusche und ins Bett zu zitieren. Wenn ich nicht „spurte“, schlief er nachts auf dem Sofa, um am nächsten Morgen das Ende unserer Beziehung zu proklamieren. Das erste Mal, als wir Urlaub in einem Land mit neun Stunden Zeitdifferenz machten. Ich hatte Jetlag, war abends müde, wollte noch ein Getränk zu mir nehmen, eine letzte Zigarette rauchen, und dann schlafen. Er ging nach einem langen Tag mit vielen neuen kulturellen Eindrücken unter die Dusche und rief mir zu: Komm mit unter die Dusche, ich will f****n. Ich rief: Ich bin müde, hol Dir einen runter, wenn Du so viel Druck hast. Ich arbeitete damals neben meinem Studium in der Gastro und hatte eine ziemlich große Klappe. Ich ahnte noch nicht, mit wem ich es zu tun hatte. Das war die erste Nacht, in der er auf dem Sofa im Apartment schlief… Der restliche „Urlaub“ war gewiss kein Spaziergang.

„Ich denke, Du weißt es auch: es ist aus!“

Wir waren gerade ein gutes Viertel Jahr zusammen. Er fuhr mit mir in ein Land, in dem es zu der Zeit vierzig Grad Celsius und mehr hatte. Ich bekam fürchterliche Hitzepickel am Rücken und am Dekolletee, lagerte Literweise Wasser ein und fühlte mich unwohl. Es war mal wieder so weit: er forderte mich auf, zum Sex mit unter die Dusche zu kommen. Ich entschuldigte mich, sagte, ich mag lieber allein duschen. Ich hatte mittlerweile dazugelernt und meine große Klappe im Zaum gehalten. Entschuldigungen sind besser als Esprit und Selbstbewusstsein!
Er ging alleine duschen und verließ danach für sechs Stunden wortlos das Zimmer. Gegen späten Nachmittag kam er zurück und sagte: „Ich denke, Du weißt es auch. Es ist aus!“
Ich brach in Tränen aus und flehte ihn an, seinen Entschluss zu überdenken. Ich erklärte ihm, wie ich mich fühlte, dass ich körperliches Unwohlsein hatte aufgrund der Temperaturen und was diese mit meinem Körper machten. Wir versöhnten uns und ich ließ es mal wieder geschehen.

„Ein ganzer Urlaub – ohne Sex!“

Wir waren ein gutes Jahr lang zusammen und fuhren gemeinsam für drei Wochen in den Sommerurlaub. In diesem Urlaub hatten sich die ungeklärten Verletzungen bereits zu einem großen Haufen Seelenschmerz akkumuliert und wir schliefen tatsächlich in den ganzen drei Wochen nicht ein einziges Mal miteinander.
Er schwieg den ganzen Urlaub über, quittierte den Tatbestand aber auf dem Weg nach Hause mit den Worten: „Nun haben wir einen dreiwöchigen Urlaub im Paradies, aber wir hatten nicht ein Mal Sex!“ Meine Seele ging derweil in den absoluten Schuldmodus.

Seele an Körper: „Sag Du es ihr. Auf mich hört sie nicht.“

Ich ließ mich unter Selbstaufgabe hernehmen, bis ich richtig krank wurde. Wir waren zweieinhalb Jahre zusammen. Mittlerweile hatte er mir einen Heiratsantrag gemacht, den ich annahm. Dann begann ich, eine chronische Blasenentzündung zu entwickeln, mit der ich gut drei Monate zu tun hatte. Es folgte die Einnahme von Antibiose und anschließende Probleme mit der Verschiebung des Bakterienmilieus. Mit diesen körperlichen Beschwerden hatte ich dann fünf Jahre zu tun. Meine Gynäkologin war ratlos und empfahl mir eine Sexualtherapie, die ich dann aufnahm und Woche für Woche aus eigener Tasche bezahlte. Ich verstand nicht, dass meine Seele zu meinem Körper sagte: „Sag Du es ihr. Auf mich hört sie nicht.“

Das Ende vom Lied

Gezeichnet von der jahrelangen Traktur hatte ich überhaupt eine Lust mehr darauf, mit diesem Mann zu schlafen. In den Jahren hatte er Pornos bestellt, nuttige Outfits für mich, um ihn anzuschärfen, High Heels, auf denen kein Mensch laufen kann. Ich sollte mich „chic“ machen, High Heels anziehen, im Bett zu willen sein, immer perfekt aussehen; und das alles unter schwersten seelischen Qualen, weil er seine narzisstischen Bedürfnisse befriedigen musste. Ich wurde am Ende so „frigide“ wie seine Ex – Frau, bis er eines Tages mit seinem besten Freund in den Urlaub fuhr, wo er sich in eine Prostituierte verliebte, die er jetzt heiraten wird. Noch immer schreibt er mir, dass ich schuld bin, dass er mich zurück will, dass sie ihm einfach so „passiert“ sei…
Ich bin ausgezogen, als er gerade mal wieder bei ihr war, habe ihn noch vom Flughafen abgeholt, bin dann in meinen Wagen gestiegen und in mein neues Zuhause gefahren. Ich bin nicht zu ihm zurückgegangen, egal, was er veranstaltet hat… Das wars. Ende – aus!

Genesung – oder Happy End

Durch Zufall lernte ich einen neuen Mann kennen. Ein formidabler Küsser, weltbester Umarmer, unwahrscheinlich sensibel und ausgestattet mit einer soliden Menschenkenntnis. Es war ein Versehen; ich wollte keinen neuen Mann. Aber dann kam er. Wir küssten uns, bis uns schwindelig wurde, sahen uns in die Augen, bis wir verschmolzen, und entgegen meiner unheilvollen Erwartung konnte ich nach einer gewissen Zeit mit ihm schlafen. Und ich liebe es bis heute. Er lässt mich sein, wie ich bin, fragt mich immer, ob ich ihn in mir haben mag, lässt ohne Vorwurf ab von mir, wenn er mein Unwohlsein spürt und liebt mich, wie ich bin.

Dennoch: Was macht das heute noch mit mir?

Ich habe noch heute Alpträume von meinem Ex – Mann. Das Mind – Spinning begleitet mich ganze Tage. Nachts schlafe ich nicht, und ich bekomme enorme Wutattacken, wenn ich an ihn denke. Ich kann das nicht einmal aktiv steuern, er schleicht in mein Gehirn und lässt mich nicht schlafen.
Ich fange von vorne an, kämpfe mit den Konsequenzen der Erfahrung, kämpfe mit den Schuldgefühlen über mein Fortgehen und unterstelle meinem neuen Partner die Muster und Motive, die ich aus meiner Ehe kenne.
Ich habe mir nun ganzheitliche Hilfe geholt; nur tiefenpsychologische Betreuung hat mir nicht geholfen. Ich liege ganze Nächte ab halb zwei wach und stehe morgens gerädert auf, in der Hoffnung, meine Existenz durch das bei ihm gelernte zu sichern. Die Scheidung habe ich eingereicht, sodass ich diese Kosten auch noch trage. Ich hatte die elf Jahre bei ihm im Unternehmen gearbeitet, und er hat mir dann gekündigt.
Aber ich bereue nichts. Ich würde mich immer wieder so entscheiden.

– Vielen Dank für deinen Mut, diese Geschichte mit uns allen zu teilen!

Wenn ihr uns auch eure Geschichte anonym schicken möchtet, schreibt uns gerne eine Email: hilfefueropfervonnarzissten@gmail.com

Hilfreiche Bücher:

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4 Antworten auf „Sex mit einem Narzissten – Ein Erfahrungsbericht“

  1. Ich kann die Albträume navhvollziehen. Man kann wenig dagegen machen. Wichtig ist, das man dem neuen Partner offen erklärt das man ein Paket mit sich trägt, welches zwar Monat für Monat etwas leichter wird, aber einem unvermittelt einen ganzen tag, gute Laune und schöne Zeit stehlen kann.

    Regelmäßiger Sport, work life balance, wenig Alkohol und gutes Essen helfen viel. Arbeits- und Freizeitstress sind sehr ungünstig und triggern bei nichtbeachtung schneller alte Erinnerungen als einem lieb ist.

    Meine fast 10jährige Beziehung zu einer Narzistin ist jetzt knapp 3 Jahre her. Für alle die noch am Anfang stehen: es wird besser, man fühlt sich mit der Zeit mehr und mehr wie man selbst. Das Bauchgefühl von vor der toxischen Behiehung kommt auch langsam wieder. Man muss dann an sichnselbst glauben!

  2. Ich habe das Gefühl, Du hast meine Geschichte erzählt und bin einerseits entsetzt über mich, andererseits getröstet, dass es eben nicht nur an mir lag. Danke für die Offenheit

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