Ich habe mein Leben lang unter Narzissten gelitten – Eine Leserbericht von K.D

„Meine Mutter wurde in der Nachkriegszeit ungewollt schwanger mit mir.
Zwangsläufig mußten meine Eltern deshalb heiraten, obwohl beide kein Geld hatten.
Zu Beginn der Schwangerschaft hatte mein Vater meiner Mutter eine Abtreibung geraten. Ich
wollte, sie hätte mich abgetrieben.
Mir wäre dieses ganze Leben und dieses ganze Leid erspart geblieben.
Meine Eltern waren beide noch sehr jung, gingen sehr oft am Wochenende am Abend aus.
Wenn sie beide zurückkamen stand ich weinend in meinem Bett, weil keiner da war.
Mein Vater bedauert heute noch, dass meine Mutter wegen mir nicht arbeiten gehen konnte, weil
ich bei fremden Menschen immer geweint habe. Einmal sosehr geweint, dass meine Mutter sofort
kommen mußte.
Sie sagte mir oft, dass sie froh war, wenn jemand mich im Kinderwagen spazieren gefahren hat,
dann hatte sie ihre Ruhe.
Bis heute ist für mich das Verlassen werden, das Schlimmste überhaupt. Es geht soweit, dass ich
mich abkapsle, damit mich ja niemand mehr verlassen kann.
Meine Kindheit war geprägt von Strenge und Lieblosigkeit. Meine Mutter scheint mich gehasst zu
haben. Einigemale warf sie mir vor, was sie für ein schönes Leben ohne mich hätte.
Mein Vater war ganz auf ihrer Seite. Er sagte, ich sei ein böses Kind, weil ich schlecht von meiner
lieben Mutti spreche. Vorher hatte ich ihm mein Leid geklagt.
Und dann das Schlimmste für meine Mutter: ich hatte in Handarbeit eine Vier bekommen > und
DAS wo meine Mutter doch darin so begabt war, sogar Handarbeitslehrerin werden wollte! Und ich
komme daher und habe eine Vier!
Ich war kein schönes Kind, kein begabtes Kind.
Also nichts womit sie sich hätte schmücken können. Und dabei war sie selbst eine sehr schöne Frau.
Jahrzehntelang habe ich mich gefragt, weshalb ich Angst vor Männern habe. Erst spät wurde mir
bewußt, dass das die Angst vor meinem Vater war.
Ich hatte Angst vor meinen Chefs, die sehr launisch und unberechenbar waren.
Wenn ich darüber meinen Eltern erzählt habe, bekam ich zur Antwort: „Dann wirst du es auch
verdient haben.“
Ich wollte viele Jahre nichts mit Männern zu tun haben.
Tja und dann zog ER neben mir ein und ich alte Schachtel habe mich sofort in ihn verliebt.
Meine Güte, was hat er mir Liebe gegeben!! Soviel hatte ich in meinem lieblosen Leben nie zuvor
erhalten.
Ich war so unendlich glücklich, als er von „Immer“ gesprochen hat.
Und nach einem Vierteljahr traf ich dann auf seine Hauptfrau.
Weil das für mich schon immer ein No go war, habe ich sofort die Sache beendet.
Er hat mir darauf die Bude eingerannt. Von seinem bisherigen Komm-her, geh- weg, war nichts
mehr da. Er hat mich – natürlich – wieder umgestimmt.
Und ich war wieder glücklich.
Glücklich IHN wieder zu haben.
Wir waren dann schließlich und endlich 20 Jahre zusammen. Während dieser Zeit wollte ich immer
wieder Schluß machen. Sein widersprüchliches Verhalten, seine häufige Abwesenheit, sein
Kritisieren, das dann dazukam, dann die ständigen Meckereien von meinem Aussehen.
Dann hatte ich immer wieder das Gefühl, dass da noch andere Frauen sind.
Ich habe mich nie getraut mit ihm darüber zu sprechen, hatte Angst er würde mich verlassen.
Andererseits habe ich seinen Geruch nicht mehr ertragen, seine permanente Geilheit, seine
Grapschereien. Der Sex mit ihm war wie eine Vergewaltigung.
Wenn ich schwarz sagte, sagte er weiß. Er hat mir Dinge kaputt gemacht, an denen ich gehangen
bin. Er hat mir Geld geklaut, „damit du nicht im Urlaub soviel ausgibst“.
Dann habe ich gewagt Falten zu bekommen und graue Haare > ach und die wurden auch noch
dünner.
Er war ja dann so besorgt um mich. „Das sieht aber gar nicht vorteilhaft aus für dich“.
Ich habe im Spiegel nur noch eine alte, faltige Frau gesehen.
Ich war am Schluß nur noch ein verhuschtes Wesen, eine graue Maus.
Er sagte ja immer so „freudlich“ zu mir: ich müsse mich doch nicht immer wie ein Mauerblümchen
geben.
Und trotz alledem hätte ich ihn nicht verlassen > wenn er es nicht getan hätte.
Mit einer seiner Töchter hatte ich mich angefreundet und ihr eine Wohnung bei mir im Haus
vermittelt. Das war für ihn der Gipfel der Unverfrorenheit.
Zuvor hatte ich es schon einige Male gewagt ihm zu widersprechen und dann das.
Erst lies er sich eine Woche nicht mehr sehen. Und dann kam ein Brief, wir würden uns eine
zeitlang nicht mehr sehen. Er sei so gedemütigt durch die Art und Weise wie seine Tochter und ich
uns benähmen (wir hatten denselben Geschmack, der aber nicht derseine war).
Mit seiner Tochter hat er dann auch gebrochen, ihr gesagt, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben
wolle.
Er hatte wahrscheinlich befürchtet, dass seine Tochter mir irgendwann mal die Wahrheit über ihren
Vater sagt…
Für mich war die Welt zu Ende. Ich habe mir selbst zugesehen, wie einem anderen Menschen. Ich
wußte nicht, wie sehr und wie tief ein Schmerz sein kann.
Ein Schmerz, der durch eine geringfügige Begebenheit ausgelöst wurde.
Nur durch Zufall wurde ich aufmerksam, dass ich in einer Gewaltbeziehung gelebt habe.
Zuerst wollte ich es nicht wahrhaben. Aber je mehr ich mich damit befasst habe umso mehr wurde
mir dann im Nachhinein auch sein Verhalten klar. Die Angst, die ich vor ihm hatte. Dass er
vielleicht irgendwann nicht mehr nur mit Worten sondern auch mit den Fäusten schlagen würde.
Besonders wenn er zuviel getrunken hatte.
Seine Tochter sagte mir dann, dass er schon immer fremdgegangen sei. Außer mir waren
mindestens noch fünf andere Frauen im Spiel. Die Next war auch schon seit vielen Jahren parat.
Zwar älter als ich, aber dafür mit mehr Geld.
Aber die hat nun auch schon eine Next und die hat noch mehr Geld.
Meine Mutter erkrankte dann an der Alzheimer Demenz und diese Demenz hat meine Mutter zu
einem Monster gemacht. Es war, als wäre sie besessen. Mein Vater mußte dann als Notfall ins
Klinikum mit einem blutendem Zwölffingerdarmgeschwür eingeliefert werden. Der Grund war der
psychische Ausnahmezustand zuhause.
Dem Sozialdienst ist es dann gelungen, dass er einer Unterbringung meiner Mutter im Heim
zugestimmt hat.
Innerhalb von drei Tagen habe ich dann auch tatsächlich einen Platz bekommen.
Aus dieser bösen Frau wurde in den letzten Wochen so eine liebe Person, dass bei ihrem Tod die
Pfleger und Schwestern geweint haben.
In diesen letzten Wochen hat sie mich dann voll Liebe angesehen und „mein liebes Kind „ zu mir
gesagt.
Wenn ich daran denke, muß ich noch immer weinen. Am Totenbett habe ich ihr verziehen. Sie sagte
mir mal, sie wäre selbst ihr größter Feind gewesen.
Die Tochter von IHM hat mich gefragt, ob sie IHN von der Beerdigung verständigen soll, aber
meine Mutter sollte in Ruhe begraben werden.
Ich weiß genau, was er gesagt hätte, als ich weinen am Grab stand: „Mach dich doch nicht so
wichtig. Die Leute schauen ja schon, weil du dich so aufführst“.
Einen Tag bevor meine Mutter in Agonie fiel, ist ER noch an meinem Haus vorbeigefahren.
Er hat in meiner Gegend generell nichts zu tun. In den ganzen 6 Jahren der Trennung habe ich ihn
öfter bei mir rumkutschieren sehen.
Ich weiß, dass er mit einer seiner Verflossenen nach 25 Jahren Trennung wieder Kontakt
aufgenommen hat.
Bei mir hat er Pech. Ich habe eine neue Festnetz- und Handynummer.
Bei meinem Vater ruft er öfter mal an, legt aber gleich auf.
Meine ach so große Liebe hat aus einer toughen Frau ein winselndes Etwas gemacht, das sich so
nach und nach wieder ins Leben zurück gekämpft hat und in diesem neuen Leben hat ER keinen
Platz mehr!!“

– Mit erschrecken las ich diesen Leserbrief. Auch mir kamen hier oft die Tränen, weil mich so vieles an meine eigene Vergangenheit erinnert hat. Hab ganz lieben Dank, dass du deine Lebensgeschichte mit uns geteilt hast. In meinen Augen bist du eine verdammt starke Frau, die so oft unterdrückt und missbraucht wurde. Aber sogar dann hattest du die Stärke zu vergeben. Ich ziehe meinen Hut vor dir!

Liebe Betroffene,

Man liest und hört es immer wieder. Kinder die mit narzisstischem Missbrauch aufgewachsen sind, geraten in ihrem späteren Leben oft wieder an Narzissten. Weil sie es einfach nie anders kannten. Wenn ihr auch eure Geschichte mit uns teilen möchtet (natürlich anonym), dann schickt sie mir einfach per Email: hilfefueropfervonnarzissten.com

Um ein Beratungsgespräch zu vereinbaren, schickt mir auch einfach eine Email, dann klären wir gemeinsam alles weitere.

Lesenswerte Bücher zum Thema:

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von Anders Noren.

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