Narzissmus im Berufsleben

Heute hören wir eine Geschichte, die sich mit narzisstischem Missbrauch am Arbeitsplatz befasst. Wenn ihr auch eure Geschichte mit uns teilen wollt, schickt uns eine Email an: hilfefueropfervonnarzissten@gmail.com

Meine narzisstische Chefin

Ich war neu in dem Unternehmen als Azubi eingestellt worden.(ich war  25 Jahre alt.)  Das Bewerbungsgespräch war ereignislos verlaufen. Anwesend war meine Chefin und ein Mitarbeiter. Das einzige was mir auffiel war, dass der Mitarbeiter über meine Einstellung entscheiden sollte, was ich sehr seltsam fand. Sie schenkte mir kaum einen Blick. Mit mir wurde noch ein anderer Azubi eingestellt. So kamen wir zu Anfang natürlich in verschiedene Abteilungen. Ich sollte im Service anfangen. Im Service ging man ans Telefon und leitete Anrufe weiter, packte Brief und Paketpost ein und empfing Kunden- falls mal welche kamen. Das war eher selten. Der Job war immer der gleiche und sehr langatmig. Man lernte nichts außer Telefonate weiterzuleiten und Post zu frankieren. Mein Mitazubi kam direkt in die richtigen Abteilungen- er hatte das Glück direkt dem Mitarbeiter zugeteilt zu werden, der auch bei meinem ersten Gespräch dabei gewesen war. Er lernte viel vom Fach und entwickelte sich weiter. Ich frage meine Chefin mehr als einmal danach die Abteilung wechseln zu dürfen. Aber ich wurde immer nur vertröstet.

Wichtige Schulungen um die ich bat, bekam ich nicht. Zu Events die in der Branche üblich warten durften Azubis niemals mitgehen. Ich fühlte mich eher wie eine billige Arbeitskraft als jemand, der hier wirklich was lernen sollte. Alamierend fand ich es auch, als in den ersten Tagen eine Mitarbeiterin auf mich zukam, weil sie zunehmend mitbekam , dass ich wirklich was lernen wollte. „In dem Laden hier lernst du nichts- lass dir das gesagt sein. In dem Laden werden Azubis nur eingestellt, damit man billige Arbeitskräfte hat. Du musst dir selbst beibringen, was du lernen willst.“ Das war aber einfacher gesagt als getan- denn in dem Job musste man viel verkaufen und das lernte man nicht aus dem nichts.  Die Chefin reagierte auf meine Wünsche immer genervter, immer öfter gab sie mir nun Aufgaben, die sie mir nie richtig erklärte. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll- sie erklärte einfach nicht , was ich machen sollte, bzw vergaß mir Details zu erzählen- sodass ich scheitern musste.  Natürlich dachte ich nach einer Weile ich wäre dumm, weil es scheinbar nicht möglich war eine Aufgabe für sie zu erledigen. Ich hatte ihr vertraut und nicht darauf geachtet, was für ein krankes Spiel sie mit mir spielte. Immer öfter hörte ich hinten aus der Firma gelächter- sie fing an mich vor allen anderen Kollegen bloßzustellen. Zu erzählen wie dumm ich sei.

Und dumm bin ich nie gewesen- ich spreche 4 Fremdsprachen und habe Abitur. Aber unter ihrer Leitung fühlte ich mich jeden Tag nutzloser und dummer. Ich glaubte irgendwann wirklich , dass ich unfähig bin.  Nach über 6 Monaten durfte ich endlich die Abteilung wechseln- aber schon dort fehlten mir wichtige Kenntnisse, die mein Kollege längst gelernt hatte. Die Kollegen schienen aufgehetzt zu sein, konnten mir nie etwas zeigen und wenn, merkte ich wie genervt sie von vornherein waren. Obwohl ich vorher kaum etwas mit ihnen zu tun gehabt hatte. Ich fühlte mich immer schlechter. Wurde jetzt öfter krank und ging mit Bauchschmerzen zur arbeit. Ich war vollkommen isoliert. Wenn ich mit Leuten sprach, dann schien es als hätten sie sich längst ein Bild von mir gemacht ohne mich zu kennen. Meine Chefin schickanierte mich weiter täglich mit Kleinigkeiten, behandelte mich von oben herab und setzte das übliche Zuckerbrot und Peitsche spiel ein, um mich weiterhin zu manipulieren. Wenn sie morgens zur Arbeit kam wurde mir schlecht.

Sie war jeden Tag unberechenbar, niemand wusste, ob sie mich heute wieder auf dem Kiecker haben würde. Ich muss dazu sagen, in meinem  Beruf geht es darum Reisen zu verkaufen. Der 8te Monat meiner Ausbildung brach an und ich hatte nicht mal entfernt damit angefangen zu lernen, wie das ging. Gott sei dank gab es die Berufsschule, damit ich wenigstens irgendetwas lernte, was mit dem Gebiet zu tun hatte. Ansonsten packte ich lediglich Reiseunterlagen zusammen, machte irgendwelche Powerpointpräsentationen (die dann auf Events gezeigt wurden wo ich nicht dabei sein durfte), oder musste irgendwelche Reiseinformationen neu formatieren oder mir die Infos aus dem Internet zusammensuchen. Die arbeit wurde mit jedem Tag mehr zur Hölle.

Die anderen aus meiner Schulklasse lernten schon in den ersten Monaten alles. Es war in der Ausbildung auch vorgesehen mehrere Inforeisen zu machen (reisen in andere Länder, wo man sich die Hotels ansieht und bewertet) und natürlich der Jährliche Besuch der ITB (die größte Tourismusmesse in Berlin). All das bekam ich nie zu Gesicht. Die Firma machte sowas oft- aber wir Azubis durften nicht mit. Zur ITB flog jedes Jahr die ganze Firma (sogar die Buchhaltung durfte mit)- aber wir Azubis nicht.

Irgendwann kam ich dann in die Flugabteilung- ja richtig. Auch da verkauft man keine Reisen. Da lernt man auch nicht mit Kunden zu telefonieren. Dort musste ich meist stupide arbeiten ausführen. Denn auch in der Flugabteilung gab es wirklich tolle Aufgaben, wie Flüge reservieren zum Beispiel, oder Flüge raussuchen, mit Airlines telefonieren oÄ.  Aber das lernte ich nie wirklich. Die Mitarbeiterin dort war so lieb zu mir, dass ich mal ein paar Monate weniger Stress hatte. Sie schien die einzige zu sein, die die Lügen meiner Chefin nicht geglaubt hatte. Mittlerweile hatte meine Chefin mich aus nichtigen Gründen zweimal in einen kleinen Kellerraum gezerrt und mich dort psychisch fix und fertig gemacht. Sie schrie mich dort an, beleidigte mich- redete mir ein ich sei komplett unfähig in dem Job, drohte mir ständig mit Kündigung und verdrehte alles was geschehen war. Ich brach irgendwann in Tränen aus weil ich es nicht mehr ertrug. Dann hatte sie wirklich noch die Dreistigkeit mich in den Arm zu nehmen und mich zu trösten. Ich zweifelte komplett an meinem Verstand.

Wenn mir dann doch mal wichtige Aufgaben beigebracht werden sollten, tat das leider meine Chefin. Nicht nur , dass ich immer mehr merkte, dass sie nicht wirklich Ahnung hatte wovon sie sprach (ich hatte einige Systeme in der Schule gelernt und sie erklärte sie einfach nur falsch), nein ich hatte mittlerweile solch eine Angst vor ihr, dass ich , hätte sie neben mir gestanden, nicht mal mehr in der Lage gewesen wäre meinen Namen richtig zu schreiben. Das klingt verrückt aber genau so war es . Ich machte also immer öfter dumme Fehler und konnte mir nie erklären warum. Hätte ich doch damals schon etwas über Narzissmus gewusst! Irgendwann wurde ich dann wieder vorne ans Telefon gesetzt. Wie man eine Reise verkauft wusste ich immer noch nicht. Und langsam war ich psychisch wirklich an meine Grenzen gelangt. Mein Mitazubi war immer noch ihre Nummer 1- er sah sich alle Abteilungen sehr genau an, wurde super behandelt und lernte alles was mir fehlte.  Der Glückliche! Die Buchhaltung habe ich übrigens nie gesehen. Obwohl auch das sehr wichtig für meinen Beruf gewesen wäre.

Ich hatte Anfangs in dem Schulfach Probleme und bat meine Chefin mich für einige Zeit in die Buchhaltung zu versetzen, damit ich es lernte. Das wurde natürlich einfach ignoriert. Ich saß weiter vorne und leitete Anrufe weiter. Mittlerweile hatte ich Kontakt zu der IHK aufgenommen , weil ich da raus wollte. Ich bewarb mich auf andere Stellen aber ich hatte kein Glück- ich konnte zu wenig für jemanden, der schon ein Jahr Ausbildung machte! Ich wurde also abgelehnt weil ich zu wenig konnte…Immer wenn ich versuchte meine Ausbildung voranzutreiben und meine Chefin lieb zu bitten, mir mehr zu zeigen , wurde ich immer vertröstet. Es änderte sich nie etwas.

Manchmal hatte ich sogar das Gefühl sie konnte mich und den anderen Azubi nicht auseinander halten. Weil einmal versprach sie mir viel und das sollte ab Montag passieren. Montag saß aber mein Mitazubi dort, wo ich nun eingelernt werden sollte. Auf meine Frage hin was los sei, sagte sie mir als sei ich verrückt „Das war mit ihm abgesprochen!Was willst du denn hier??“

Die IHK bot mir an meine 2.5 jährige Ausbildung auf 2 Jahre zu verkürzen. Ich willigte sofort ein. Hauptsache endlich weg dort. Ich hatte eine Heidenangst meine Abschlussprüfungen nicht zu bestehen weil ich nichts konnte. Selbst zum Ende meiner Ausbildung hin, hatte ich nicht einmal einen Kunden beraten oder ihm eine Reise verkauft. Nicht ein einziges Mal! Und es kam noch schlimmer- mein Chef ging in den Ruhestand- bisher konnte ich immer zu ihm gehen und er versuchte meine Chefin in Schach zu halten. Aber nun war er weg. Die Firma wurde an einen neuen Chef verkauft- und meine Chefin wurde nun mit ihm richtige Chefin!

Das konnte ja heiter werden! Er hatte natürlich keine Ahnung was ich bisher durchgemacht hatte mit ihr und ich wollte es ihm auch nicht sagen- nur noch wenige Monate bis zu meiner Prüfung, die würde ich jetzt auch noch schaffen! Meine Chefin schickanierte mich weiter wo sie konnte, gab mir unmögliche Aufgaben, nur um mich dann an dem ein oder anderen Punkt scheitern zu sehen und zu sagen „Ha! Unfähig bist du!“ Es war der reinste Höllentrip und ich fühlte mich auf der Arbeit nur noch wie im Nebel. Konnte vor Angst keinen klaren Gedanken mehr fassen. Der Tag meiner Prüfungen kam und ich ging in der Firma mit Kuchen vorbei. Auf meinen Abschied war aber keiner vorbereitet (das hatte man ja nicht kommen sehen???) und mir wurde gesagt, ich sollte nach der mündlichen wiederkommen- damit alle was vorbereiten können. Also ging ich wieder. Als ich meine mündliche- und damit meine Ausbildung bestanden hatte ging ich ein letztes Mal hin. Und diese letzte Schikane laß sich meine Chefin nicht nehmen. Obwohl wir vor 4 Tagen genaustens besprochen hatten, wann ich kommen sollte zur Verabschiedung (was ja ihre Idee gewesen war) – tat sie nun natürlich überrascht. (Was machst DU denn hier??)

Es war nichts vorbereitet gewesen, sie hatte es für sich behalten und so getan, als hätte sie von nichts gewusst. Sogar meine Verabschiedung nahm sie mir. Es war erniedrigend und entwürdigend. Wo mein alter Chef nun auf jeden Fall spontan eine Flasche Sekt und alle 5 Minuten versammelt hätte, ignorierten mich alle. Arbeiteten ganz normal weiter. Dazu muss ich sagen, dass Abschiede in der Firma immer groß gefeiert wurden- ich war ja mehr als einmal dabei gewesen. Ich war den Tränen so nah in diesem Moment. Aber ich setzte ein lächeln auf, verabschiedete mich und ging ein letztes mal aus dieser Hölle heraus.

Nun bin ich also Tourismuskauffrau, ohne jemals eine Reise verkauft zu haben- aus heutiger Sicht weiß ich, dass es der reinste Psychoterror einer Narzisstin war und ich einfach hätte kündigen sollen. Aber steckt man einmal in der Spirale drin und weiß nicht womit man es zu tun hat, ist das sehr schwer. Mit meinem heutigen Wissen würde mir sowas nicht nochmal passieren.  Ich habe mich zu ihrem Sklaven gemacht, zu jemandem der dumm ist und nichts kann. Dabei bin das nicht ich- es ist das , was sie aus mir machen wollte.  Das weiß ich heute.  Heute weiß ich , was ich wert bin und was ich kann. Aber ich weiß heute auch, wie unfassbar gefährlich narzisstische Chefs sind. Meine Psyche war nämlich sehr geschädigt und ich war immer öfter krank. Meine Therapie half mir beim aufarbeiten.

Hilfreiche Literatur:

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5 Kommentare zu „Narzissmus im Berufsleben

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  1. Echt gemein wie manche einem behandeln, nur um sich selber gross und unbesiegbar zu fühlen. Eigentlich sind das Menschen, die äußerst schwach sind. Steht man irgendwann nicht mehr als Ventil für ihre Aggressionen zur Verfügung, brechen sie ein. Dann umgarnen sie die Leute wieder, bis sie diese in der Falle haben. Ohne die Opfer an denen sie sich auslassen können, sind sie nichts. Eigentlich erbärmlich!

  2. Oh, Gott!
    Genau so ist es!
    Ich hoffe Du hast es jetzt einigermaßen überwunden!
    Muß ich da jetzt auch meine Geschichte erzählen?
    Ein Chef kann auch eine Abteilung in Schach halten und wie schuldig bin ich dabei?
    Bzw. verstehe ich jetzt meine Vorgeschichte. Und ich bin noch nicht raus! Und wenn er hier lesen würde und sich erkennen? Aber erstmal das Aufschreiben kostet auch Zeit und Konzentration und es ist eine lange Zeit!

  3. Hallo zusammen, ob meine noch-Chefin Narzisstin ist, kann ich eigentlich gar nicht beurteilen. Selbstherrlich, unfair in der Diskussion, ignorant, geldgeil- aber langsam beginne ich sie in einem anderen Licht zu sehen. Seltsame, abgekartet wirkende Manipulationsspielchen mit den Kollegen, die allzu gern sich einspannen ließen , um immer dem jeweils anderen zu schaden, zum wohlgefallen der Chefin; dann jede Leistung nieder machen , um anschließend in demselben Gespräch zusätzliche Arbeitsstunden in anderen Gebieten als vereinbart zu erwirken bis hin zu Gratisleistungen ( “ die Überstunden sollten sie dem Unternehmen schenken“)… Ich habe die Reißleine gezogen , obwohl die Arbeit selber genau mein Ding war. Übrigens hat meine Chefin auch eine „Freundin“ im Unternehmen,die sich als Handlanger missbrauchen lässt, um sich richtig wichtig zu fühlen.

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von Anders Noren.

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