Leserbriefe – Aktion: Meine Beziehung mit einem Narzissten, von S.C

 

Mein Narzisst und ich

Vorab: Mein Narzisst ist irgendwann von meiner Freundin auf PNG (Pi N gi) degradiert worden. Persona non grata – Person ohne Aufenthaltsberechtigung. So ist es mir in Fleisch und Blut übergegangen, als PNG über ihn zu reden und schreiben. So halte ich es auch hier

Die PNG tauchte das erste Mal in meinem Leben auf, als ich 14 war. Er war meine erste große Liebe und schon damals, jetzt rückblickend bewertet, konnte ich ihn nach der Trennung einfach nicht vergessen; es dauerte schon in meiner Jugendzeit 2 Jahre, ihn zu verarbeiten. Allerdings war es damals auch so, dass meine dann nicht mehr beste Freundin hinterhältig agiert hat und mich davon überzeugte, mich von ihm zu trennen, nur, damit sie ihn „haben“ kann. Heute bin ich ihr dankbar dafür, sonst wäre ich wohl noch kaputter als ich es jetzt schon bin. Denn letztendlich blieben die beiden eine Ewigkeit zusammen, heirateten tatsächlich und bekamen eine Tochter. Jedoch schon während der Schwangerschaft betrog er sie – mit ihrer besten Freundin, trennte sich von ihr und heiratete dann wiederum die beste Freundin meiner dann nicht mehr besten Freundin…25 Jahre nach meiner ersten Trennung von der PNG kam ich dann wieder in sein Leben zurück und verlor mich selbst dabei.

Es fing an wie in einem Märchen…der Traumprinz kam endlich angeritten auf dem weißen Pferd und rettete die Prinzessin aus ihren goldenen Käfig. Meine Ehe lag zu dem Zeitpunkt bereits länger am Boden, wir lebten wie Brüderlein und Schwesterlein zusammen. Die PNG fand mich in irgendeinem sozialen Netzwerk, schrieb mich an. Wir fingen an, täglich Mails hin- und herzuschieben, die alte Vertrautheit war sofort wieder da. Es kamen Worte wie: „Ich konnte Dich die ganzen 25 Jahre nicht vergessen“ oder „Keine Frau hat jemals so viel Platz in meinem Herzen eingenommen, wie Du – Du hast immer den größten Platz gehabt“…“Ich habe nie aufgehört Dich zu lieben“….

Oh, wie schön das alles klang…

Er war übrigens zu diesem Zeitpunkt wie erwähnt verheiratet. Natürlich war seine Ehe ein Alptraum..selbstredend…

Wir verabredeten uns irgendwann und standen uns nach einem viertel Jahrhundert wieder gegenüber…Es war wohl der magischste Moment in meinem Leben, meine Hand griff sofort nach seiner, als wir spazieren gingen…so als ob das Vierteljahrhundert nie zwischen uns lag…Zum Abschied nahm er mich in den Arm und ich dachte nur…wow…Zuhause angekommen…Die vielen Chats und E-Mails, die wir ca. zwei Monate lang zuvor ausgetauscht hatten, hatten ihre Wirkung gezeigt. Ich war in seinem Bann.

Wir schrieben weiter viele Nachrichten, nutzten später auch Second Life für uns. Die PNG hatte dort einen Account und war bestens da aufgestellt. Dort kann man sich seinen Avatar erstellen und in einer virtuellen Welt „leben“. Dort chatteten wir, saßen an traumhaften Stränden dabei, die Avatare konnten sich in den Arm nehmen, sich küssen, man konnte mit seinen Avataren in eine Disco gehen, sich dort Lieder wünschen, Nachrichten übermitteln lassen. Es war quasi wie Radio. Und ich bekam jeden Tag, wenn wir dort waren, so liebevolle Nachrichten, zärtliche Kosenamen…Er nannte mich Flocke, weil ich so sanft und leuchtend bin, wie eine Schneeflocke. Wessen Herz schmilzt da nicht dahin? Und immer wieder zwischendurch trafen wir uns heimlich in den Wäldern oder fuhren einfach nur mit seinem Motorrad durch die Gegend. Denn wir beide waren ja noch verheiratet und lebten auch noch mit den jeweiligen Ehepartnern zusammen.  Es war eine so wunderschöne Zeit. Ich fühlte mich so begehrt und geliebt. Ich wunderte mich zwar schon zu diesem Zeitpunkt, warum es für ihn so schwer war, Ehefrau freie Zeiten zu finden, sie schien einfach immer zuhause zu sein…heute weiß ich warum…denn er hatte sie natürlich isoliert, aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen. Ich hatte noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber…denn ich war nun eine Frau, die einer anderen Frau den Mann weg nahm. Aber…er litt doch auch so in seiner Ehe. Ich redete es mir schön.
Ich zog die Konsequenzen und nahm den Spielball von meinem damaligen Mann gleich an, als er fragte, wie es mit unserer Ehe wohl weitergehen sollte: Ich erwiderte: „Was hälst Du denn  von gar nicht“…und schon waren wir getrennt…ich war frei für meine PNG, für meinen Prinzen…

Das war im August 2010…und von da an wartete ich, dass auch er sein Versprechen einlöste und sich von seiner Frau trennte. Er wolle noch den richtigen Moment abwarten, gerade wäre es schlecht, aber auf jeden Fall…und ich sehnte mich so sehr nach ihm, nach seiner Nähe. Die kurzen Momente, die wir uns abzwacken konnten…sie waren jedes Mal ein Tanz im Himmel. Ich war so unendlich glücklich in diesen Momenten. Wir haben es dann sogar zweimal hinbekommen, während seiner Ehe uns Nächte abzuknapsen. Er war beruflich in Sonthofen auf Lehrgang. Ich fuhr die Wochenenden hinterher – er bezahlte – Für seine Frau gab es irgendwelche Ausreden, warum er das Geld bräuchte, warum er diese Wochenenden nicht telefonisch erreichbar war usw. Und mich trug er dort auf den Händen…noch heute fühle ich diese Liebe, die ich damals für ihn empfunden hatte, in diesen wundervollen, zauberhaften Momenten. Ich war im Paradies angekommen.

Irgendwann verkaufte ich das eheliche Haus, kaufte mir zusammen mit meiner Schwester einen Altbau, sanierte ihn und baute unser Nest…denn es war klar, dass er irgendwann dazu kommen würde…ich baute, ich ließ ihn sogar mitentscheiden bei der Auswahl der Fliesen, der Küche, der Tapeten usw…und wartete weiterhin, dass er sich endlich trennte…

Es war Silvester 2010…er war immer noch bei seiner Frau…ich hatte schon so oft die Flucht ergriffen, hatte gesagt, ich will das so nicht, ich kann das nicht länger ertragen, weil er mir so sehr fehlen würde, wenn er nicht bei mir ist. Und wenn wir uns sehen, wir ja immer nur ein paar Momente für uns hätten. Aber er fing mich immer wieder ein mit seinen Worten, Geschenken, Gesten…Aber Silvester war ich stark…schrieb ihm, ich könne nicht mehr, dieses ewige warten darauf, dass wir uns sehen können, dass endlich der Anruf kommt, er hätte mit seiner Frau gesprochen und sich getrennt. Ich sagte ihm, ich würde mich zurückziehen, wenn er sich getrennt hätte, könne er sich ja melden. Ich zog es durch – 2 Tage lang…ich wurde schwach. Er fehlte mir doch so unendlich, mein Herz weinte so sehr, es schmerzte regelrecht. Wir trafen uns, er zog mich wieder vollends in seinen Bann, immer wieder diese Worte, er könne nie mehr ohne mich Leben, ich wäre sein Leben, seine Königin, sein Ein und Alles.

Dann war der 10. Januar 2011 – er trennte sich ebenfalls – und mein Alptraum fing erst richtig an, wie ich heute weiß.  Die PNG übernahm immer mehr Kontrolle in meinem Leben…Die letzten Entscheidungen beim Sanieren/Renovieren meines Hauses, die traf er…ich gab nach, denn ich liebte ihn ja mehr als mein eigenes Leben und es war mir nichts so sehr wichtig, als dass er sich hier in unserem Nest wohl fühlte. Ich fing an, mich ihm immer mehr zu unterwerfen und merkte es nicht.

Ich stellte der PNG meinen Kindern vor, damals 10 und 14. Er war zu diesem Zeitpunkt immer mal bei uns, wenn es IHM passte, aber eigentlich nie, wenn ich ihn darum bat, weil ich ihn aus irgendwelchen Gründen gerade tatsächlich brauchte. Ich weiß noch, ein denkwürdiges Ereignis zu diesem Zeitpunkt, spätestens da hätte ich eigentlich wach werden müssen:

Da meine Kinder und ich bevor wir in unser neues Haus einziehen konnten in eine Zwischenwohnung ziehen mussten und meine Zwerge eh noch angegriffen waren von der Trennung und der wenigen Zeit der Mama wegen der Haussanierung, kam mein kleiner morgens immer in mein Bett gekrabbelt um Kuschelzeit mit Mama zu haben…Es war die erste Nacht, die der PNG bei uns verbracht hatte, gemeinsam mit mir auf dem Sofa in der Wohnstube, da aus Platzgründen ich kein eigenes Schlafzimmer hatte. Ich sagte ihm vorher, dass ich morgens aber herübergehen würde, um meinem Sohn die gewohnte Kuschelzeit zu schenken, zumal ich es ihm ja auch versprochen hatte. Ja, es sei in Ordnung für ihn. Ich tat es…und bekam später am Tag zu hören, ob ich mir vorstellen könne, wie ER sich dabei gefühlt hat, als ich zu MEINEM KIND! gegangen bin…Ich fühlte mich gleich so schlecht dabei, ich weiß nicht, wie Narzissten das anstellen…also ließ ich das zukünftig sein, wenn er nachts bei mir war und entschied mich zum ersten Mal unbewusst gegen meine Kinder.

So war es dann zukünftig immer, wenn es nicht nach seiner Nase ging…er war beleidigt, er manipulierte, er meldete sich einfach nicht, es gab Liebesentzug, er zog sich zurück – denn sein eheliches Haus behielt er ja noch; seine Frau war ausgezogen. Und ich spielte das Spiel mit, entschuldigte mich, fuhr zu ihm hin, redete mit ihm und versprach ihm, dass das, was gerade die aktuelle Situation war, warum er sich mal wieder zurückgezogen hat, nie mehr passieren würde.

Die PNG fing zudem an, mich immer mehr aus meinem Freundeskreis herauszuziehen. Wenn ich mit meinen Freunden weggehen wollte hieß es: „Oh – ich wollte doch mit Dir einen romantischen Abend verbringen. Kannst Du das bitte nicht absagen? Ich hatte mich so sehr darauf gefreut“. Natürlich sagte ich ab. Oder er warf mir vor, dass ich immer so seltsam sei, wenn ich von meinen Freunden wiederkäme…Kein Wunder, denn gerade meine beste Freundin enttarnte ihn sofort, meinte immer wieder, er würde mich manipulieren, ich hätte mich verändert, ich würde ihm hörig sein. Natürlich dachte ich darüber nach, wenn ich dann wieder auf ihn traf, natürlich beobachtete ich mich…Aber natürlich strafte er das dann wieder mit Liebensentzug ab. Also besuchte ich zukünftig auch meine Freunde immer seltener, denn ich wollte ihn ja nicht verlieren. Ich liebte ihn so sehr…Er war doch meine andere Hälfte, meine Dualseele, mein Leben, mein ein und alles. Ich wurde entsozialisiert.

Dasselbe Spiel zog er bei meinen Kindern durch: Bevor die PNG in mein Leben kam, war es so, dass mein Haus immer voll war mit Kindern, da sie gerne bei uns spielten bzw. trafen. Meine Haustür stand immer offen, es waren am Wochenende eigentlich immer Übernachtungsgäste bei den Kindern. Dann wurde auch das geändert: Wenn sich die Kinder verabreden DURFTEN, dann mussten sie außer Haus spielen, denn er brauchte ja nach einem anstrengenden Tag im Dienst seine Ruhe. Das zählte erst Recht fürs Wochenende. Er möchte keine fremden Kinder im Haus haben. Auch hier stellte ich mich wieder gegen meine Kinder und ließ ihn darüber entscheiden, wann, wo und mit wem wie lange meine Kinder spielen bzw. sich treffen durften.

Wenn meine Kinder zuvor eine sehr verständnisvolle Erziehung genossen hatten, war es nun er der sie erzog…und das mit Konsequenzen und Strafen. Ich schaute zu. Ich ließ es zu, dass er meine Kinder madig machte…ich entschied mich wieder gegen meine Kinder, für die PNG. Denn wenn ich mal versucht hatte, die Erziehung auf meine Weise durchzuführen, gab es gleich wieder Liebesentzug und immer wieder das Argument, wenn ich möchte, dass wir eine intakte Patchwork-Familie werden, müsse ich auch zulassen, dass er die Kinder mit erziehen darf und müsse dann auch hinter ihm stehen. Also tat ich es…ich stand hinter der PNG, sah zu, wie meine Kinder ihre kleine heile Welt verloren, ihre Mutter nicht mehr wiedererkannten und immer mehr innerlich zerbrachen und zerstört wurden. Sie trauten sich nichts mehr, waren im eigenen Haus „Gäste“ geworden. Die Mutter war nur noch anwesend, aber alles…nur keine Mama mehr. Ich wurde eigentlich ihr Feind.

Schlimmer wurde es, als seine Tochter aus erster Ehe (damals 17), beschloss, sich bei uns anzuschließen…das heißt, sie ist bei ihrer Mutter und Stiefvater ausgezogen und ist zu ihm gezogen bzw. dann auch mit bei uns war…auch eine kleine Narzisstin, wie ich heute weiß…Alleine die Geschichte die sie erfunden hat, damit alle das arme kleine Ding von allen dabei unterstützt wird, bei ihrer Mutter auszuziehen und bei uns aufgenommen wird. Sie erzählte doch glatt, dass ihr Stiefvater sie zu Nacktaufnahmen genötigt hätte und als Beweis dafür legte sie entsprechende Bilder vor. Natürlich bekam sie dann Unterstützung von ihren Großeltern und von mir, möglichst schnell dort wegzukommen, zumal ich selbst auch als Kind missbraucht worden bin. Erst später stellte sich heraus, dass sie diese Fotos von sich selbst gemacht hatte, um so auf jeden Fall bei uns sein zu können.

Welch Dramen sich hier abgespielt haben…ich stand ständig zwischen ihr, meinen Kindern und ihm…und im Zweifel habe ich dann ja sowieso zu ihm oder zu SEINER Tochter gehalten, mich wieder mal gegen meine Kinder entschieden, da es ja sonst das übliche gab…Liebesentzug, Rückzug…Aber irgendwann wurde es so unerträglich mit ihr und ihren Lügenmärchen, ihren fiesen Spielchen die sie spielte, dass sie wieder ging – ich wurde immer mehr unbequem für sie…es eskalierte an dem Abend des Auszugs richtig…Die PNG machte sich angeblich Vorwürfe…litt unter der Situation – sagte er…und musste aber beruflich – Soldat seines Zeichens – auf eine große Übung. Ich bat ihn, diese Übung abzusagen oder später hinzufahren, um die Sache mit seiner Tochter zu klären. Er meinte, er würde es gerne, aber er könne das Manöver nicht einfach absagen…er sprach davon, als Vater versagt zu haben usw…wie sie so sind…und dann erreichte ich ihn nicht telefonisch, machte mir sorgen, da er so depressiv war, dass er sich etwas angetan hat…48 Stunden meldete er sich nicht…ich machte Himmel und Hölle heiß, rief seine Chefs an, bat ihn, dass sie ihn ablösen, damit er die Sache mit seiner Tochter klären könne…es würde ihn so sehr fertig machen…ich regelte es ohne sein Wissen, dass er nach Hause kommen darf, dass er om Manöver abgelöst wird und achte, ich tue ihm ein Gefallen….und wurde nur angeschrien, was ich mich in SEIN Leben einmischen würde, er will es nicht klären, er bleibt wo er ist und ich solle mir nie wieder einfallen lassen, mich mit seinen Chefs in Verbindung zu setzen bzw. mich in SEIN Leben einzumischen. Natürlich telefonierten wir während des Manövers nur noch, wenn ER es für nötig hielt, sich zu melden. Nicht etwa, weil ich ihn per SMS bat, sich mal zu melden, weil ich etwas besprechen möchte…Gerade auch im Hinblick auf seine Tochter.

Seine Tochter litt aber unter dieser Situation hier ebenso, so dachte ich jedenfalls damals. Da kannte ich ja noch nicht die Bedeutung des Narzissten. Ich erkannte ihre Not, ihre Seelenqualen, ich sorgte dafür, dass sie zum Psychiater kann…schnell, ohne lange Wartezeit…wer fuhr? Ich…denn er hatte dafür keine Zeit, ihre Mutter auch nicht…Dabei redete ich einmal Klartext mit ihr und über ihr Verhalten, das sie an den Tag legte, gerade auch im Hinblick auf die Fotos, und sagte ihr, dass sie damit Leben zerstören würde usw…ich erzählte der PNG davon…ich bekam wieder nur Bestrafung, es sei seine Tochter, ich solle mich da raushalten, wie ich es wagen könnte, ihr so etwas zu sagen. Wenn sie sich nun das Leben nehmen würde, sei ich schuld daran. Also kümmerte ich mich ab da besonders liebevoll um seine Tochter, denn ich hatte ja Angst, sie würde sich etwas antun.

Letztendlich hielt meine Tochter das alles nicht mehr aus und ich verlor sie gänzlich. Mit 16 Jahren zog sie zu ihrem Vater und dort begann dann leider ihr eigenes Drama, dass sie in tiefe Depressionen gestürzt hat. Diese Schuld werde ich wohl nie los. Aber vorweg: Ich habe mich irgendwann nach der Trennung bei ihr für alles entschuldigt und ihr erklärt, was da eigentlich mit mir passiert ist. Heute haben wir ein super vertrauensvolles Verhältnis zueinander. Ich bin wieder ihre Mutter, ihre beste Freundin, ihre erste Ansprechpartnerin bei Sorgen, Kummer, aber auch bei den schönen Dingen, die ihr passieren.

Meine PNG baute mir z.B. auch meine Terrasse an meinem neuen Haus fertig, machte sich damit viel Mühe, es war liebevoll angelegt – natürlich nach seinen Wünschen. Für den Endschliff nahm er sich einen Tag Urlaub ohne mein Wissen, um mich damit zu überraschen zu können, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Ich entschied mich aber spontan nach der Arbeit eine Freundin zu besuchen (die letzte, die mir dank ihrer Hartnäckigkeit geblieben war) und kam erst spät nach Hause – ich wusste ja auch gar nicht, dass er bei mir sein würde (er hatte zu dem Zeitpunkt immer noch sein Haus)…Er saß dann da – vor meinem Haus – voll stinkig, dass ich so spät nach Hause komme, er hätte den ganzen Tag geschuftet, um mich zu überraschen und ich käme nicht nach Hause, würde ohne sein Wissen meine Freundin besuchen, sprach es, drehte sich um und fuhr weg…ich hatte in schlechtes Gewissen, fuhr hinterher, entschuldigte mich bei ihm…wie immer und versprach ihm von nun an, immer Bescheid zu geben, wenn ich nach der Arbeit noch andere Dinge erledige und nicht gleich nach Hause fahren würde. Erwähnte ich schon, dass ich auch jeden Morgen ihm eine SMS schreiben musste, wenn ich gesund und munter im Büro angekommen war? Tat ich natürlich, da ich es rührend fand, dass er sich so sehr um mich sorgte und erst wieder konzentriert arbeiten konnte, wenn er wusste, dass ich sicher im Büro angekommen bin. Dass es Kontrolle ist…da kam ich nicht drauf…

Ach ja. Irgendwann kam dann ja auch :“Bitte schminke dich doch nicht mehr, ich mag Dich ungeschminkt viel lieber…alles andere ist nuttig…und wenn wir schon einmal dabei sind: Ich möchte nicht mehr, dass Du Miniröcke trägst und enge Oberteile oder welche mit weitem Ausschnitt. (So hatte er mich aber wieder kennengelernt) Du bist doch MEINE Freundin, und nur ich möchte Dich so sehen. Oder aber Du darfst es tragen, wenn ich dabei bin…also machte ich es! Sonst gab es ja Ärger und Liebensentzug…Später, in meiner Erwachensphase…machte ich es dann wenigstens schon so, dass ich zur Arbeit das anzog, was mir gefiel und mich schminkte und bevor er nach Hause kam, wieder abgeschminkt und in weiten Oberteilen da saß.

Davon könnte ich 1000 Geschichten erzählen…und ich tat alles, was er mir „befahl“, denn ich liebte ihn mehr als mein Leben…und bemerkte nicht, dass er nicht aus Liebe handelte, dass ich immer mehr mein Leben in seine Hände legte, dass er mich komplett kontrollieren und manipulieren konnte.

Im Februar 2012 kam der Krebs in mein Leben…und ich erniedrigte mich noch mehr! Ich bekam auch eine Chemotherapie, nahm zu, verlor die Haare, war eben krank…

Das eine Mal, war mir grottenschlecht, die Kinder (meinte Tochter lebte damals noch bei uns) kamen vom Papa-Wochenende nach Hause und er sagte ihnen, sie sollen leise sein, mir würde es nicht gut gehen, ich hätte mich vor einer Stunde hingelegt…Ich hörte meine Kinder nach Hause kommen, stand natürlich auf, und begrüßte sie herzlich. Mir ging es auch schon wieder besser, nachdem ich gelegen hatte. Ich saß mich mit meinen Kindern in die Küche, wir erzählten, spielten ein Spiel…und kaum, dass sie den Raum verlassen hatten, kam der Anschiß: Was mir denn einfallen würde aufzustehen und mit den Kindern zusammen zu sein. Er hätte den Kindern schließlich gerade gesagt, wie schlecht es mir gehen würde. Wie er denn jetzt dastehen würde!…Ich entschuldigte mich für mein Verhalten und legte mich wieder hin…

Die Krönung war sicherlich, als er mich betrog, genau an einem Tag, als ich bei der Chemo saß…Mein Bauch sagte es mir schon länger, dass da jemand ist…ich fand es heraus, per Zufall, dass es seine Noch-Ehefrau ist…ich sprach ihn natürlich drauf an…leugnen brachte nichts, da ich den SMS-Verlauf des Zweithandys entdeckt hatte…und er erzählte natürlich die Geschichte so, dass ICH mir dabei schlecht vorkam…es sei ja für ihn nun auch keine leichte Zeit mit meinem Krebs und dass er meine Familie schließlich da durch tragen müsse und da sei es eben passiert…ach ja…klar…natürlich hatte ich Verständnis dafür, wer will denn auch schon eine Frau mit Krebs? Die leistet ja nichts mehr, ist eine Belastung. Er sagte aber, dass es ihm so leid tun würde, ich möge ihm verzeihen, er wüsste, dass es nicht richtig gewesen sei…ich verzieh…ich verstand…ich gab mir die Schuld für seinen Fehltritt…und blieb dennoch an seiner Seite.

Es war in unserer Beziehung ja immer so…nur, wenn ich „Beweise“ gegen ihn in der Hand hatte, kam er mit der Wahrheit raus. Mein Verstand meldete sich ja immer wieder zwischen durch und merkte eigentlich immer, dass hier irgendetwas total schief läuft.

Geld war auch so ein Thema bei uns…ich wunderte mich immer bei seinem Gehalt als Hauptmann, dass er immer jammerte, wir könnten uns nichts leisten, wie er mich bat, dieses und jenes zu finanzieren usw…ich rechnete nach, kannte ja seine Ausgaben…und ich kam nie drauf, was er jammerte…und wurde stutzig…und schaute mal seine Kontoauszüge nach…aha…seine Noch-Ehefrau wurde jeden Monat mit 500 EUR bedacht…das erklärt alles…hat er mir nie erzählt…Ist prinzipiell sein Geld, kann er mit machen, was er will…aber…wieso sagt er es nicht einfach? Ist ja nichts schlimmes bei, wenn man seine Nochehefrau finanziell unterstützt…

Sein Haus wurde geräumt…endlich zum Verkauf durchgerungen…alle seine Sachen endlich bei mir…natürlich ging es auch da nach den Vorstellungen und dem Kommando der PNG….Ich fragte mich immer, warum er das Haus immer noch halten möchte, da wir doch sowieso immer bei mir waren und das Haus immer nur Zeit und Geld kostete…er hat sich also während meiner Krebszeit dazu durchgerungen, das Haus zu verkaufen…deswegen hatte er auch soviel Kontakt zu seiner Nochehefrau, die ja ihre Sachen noch drin hatte und entsprechend häufig dort war…dort hatten sie dann auch ihr Verhältnis gelebt…Das Haus wurde also geräumt, als ich Chemotherapie hatte. Obwohl ich kräftemäßig nicht mehr viel Ressourcen hatte, half ich dabei, das Haus zu räumen, die Sachen zu mir zu fahren, einzuräumen. Denn wir hatten ja auch einen Zeitpunkt, an dem er raus sein musste, da der Kaufvertrag seine Wirkung entfaltete. Ich werde nie vergessen, wie ich den letzten Abend vor meiner Reha sein Haus noch geputzt hatte, total erschöpft, am Ende meiner Kräfte, die letzten Möbel und Kartons in mein Haus gefahren hatte, die Koffer für die Reha um 23.00 Uhr gepackt, morgens um 5 Uhr los…Denn er befahl ja, wann wir was machen würden. Und Haus leer räumen hieß ja gleichzeitig, das Nest von ihm und seiner Ex-Frau zu zerstören. Wie oft hatte ich der PNG gesagt, wir sollten langsam anfangen, sein Haus leer zu räumen, damit wir nicht so hetzen müssen, damit wir in Ruhe alles erledigen können. Gerade weil ich nicht so fit war.

Die Reha brach ich übrigens früher ab…seinetwegen…sein Vater war gestorben, ich fühlte mich verpflichtet, bei ihm zu sein…Sein Vater war, wir mir nun bewusst geworden ist, übrigens auch ein Narzisst.

So lebte ich mit seinen Spielchen und Machtausübungen und Unterdrückungen bis 2013 mit ihm zusammen…und merkte immer mehr, wie sehr ich mich verloren hatte, wie ich meine Kinder und Freunde  verloren hatte …ich war nur noch ein Schatten meiner Selbst, ich wachte auf, ich lehnte mich auf…ich zog an, was mir gefiel, auch wenn er da war…ich gab Widerworte…ich bat ihn, mit dem Trinken aufzuhören – denn er hatte ein Alkoholproblem, welches ich natürlich so hinnahm – ich bat ihn, sich Hilfe zu holen, seine Seele zu erleichtern und und und…aber es war nichts mehr zu retten. Ich wurde unbequem, er fing wieder ein Verhältnis mit seiner Arbeitskollegin an, ich spürte es wieder…aber ich kämpfte dennoch, denn ich wollte ihn ja eigentlich nicht verlieren, denn er war mein zuhause weiterhin, ich liebte ihn…doch irgendwann ging es einfach nicht mehr…die Gewißheit, dass er mich wieder betrog, wurde immer größer…ich brachte immer neue Argumente, als ich ihn danach befragte, er leugnete es immer wieder, verdrehte die Tatsachen, so dass ich immer wieder glaubte, ich sei im Irrtum, würde mir alles nur einbilden. Ich war hin- und hergerissen zwischen „renne um Dein Leben“ und „Ich liebe ihn, er ist meine zweite Hälfte, ich muss ihm helfen, sich von seinen Seelenqualen zu befreien“.

Ich weiß noch wie heute, wie ich ihn – da hatte ich mal ein Glas Wein zu viel getrunken – eine halbe Stunde nur angeschrien hatte, meine ganze Wut rausgelassen hatte, meinen Hass, meine Verzweiflung….er saß da nur und sagte gar nichts…Am Ende ging er rein, legte sich aufs Sofa und wollte dort schlafen. Ich ging ins Bett, um dann doch zu ihm zu gehen und ihn zu bitten, sich zu mir ins Bett zu legen. Ich entschuldigte mich für mein Verhalten, wollte, dass er mich in die Arme nimmt und sagt, er würde es verstehen…aber er tat es natürlich nicht. Er bestrafte mich tagelang für meinen Ausbruch mit Ignoranz.

Er entfernte sich dementsprechend immer mehr von mir…ich litt so sehr…mein Herz litt so sehr…wie oft fragte ich ihn, ob ich an meinen Platz dürfe…dieser Platz war an seiner Schulter, in seinen Armen (wo natürlich nieeeeeeeeeeeeeeeeeeee wieder eine andere Frau außer ich liegen würde, wie seine Worte immer waren…) Natürlich durfte ich immer weniger mit ihm kuscheln, es gab keine Zärtlichkeiten mehr, kein Sex, keine liebevollen Worte oder Gesten…bis ich eines morgens, nachdem er mich wieder mal zurückgewiesen hatte, fragte, ob er mich noch lieben würde! Das wisse er nicht…aber er glaube eigentlich nicht…Meine Frage, was er noch bei mir will, beantwortete er mit, dass er sei wahrscheinlich zu feige, zu gehen…

Das war mein Kommando zur Befreiung! Ich sagte ihm, er solle sofort seine nötigsten Sachen Packen und das Haus verlassen…er stand auf, packte eine Tasche, wir tranken noch kurz einen Kaffee, um das nötigste zu besprechen, und er ging…

Oh Gott, was hatte ich getan? Mein Herz weinte…mein Verstand feierte…

Natürlich verlief die Trennung nach seiner Schnauze…natürlich kam er noch einmal an, jammerte, er wolle mich zurück, wir müssten uns sehen…(Taten wir auch…aber es fühlte sich falsch an für mich) natürlich musste er mir noch persönlich erzählen, dass er jetzt mit seiner Arbeitskollegin zusammen sei (die Frau, von der ich annahm, dass er ein Verhältnis mit ihr hat – Treffer versenkt) um mich noch einmal weinen und leiden zu sehen…Natürlich verlief das Ausräumen seiner Möbel und anderen Dingen nach SEINEM Zeitplan…Im Oktober 2013 habe ich ihn rausgeschmissen, im Mai 2014 holte er seine letzten Sachen…weil er da ins nächste gemachte Nest gezogen ist, zu seiner Arbeitskollegin.

Ich litt so sehr unter dieser Trennung, wollte nicht mehr Leben, funktionierte nur noch. Ich dachte jeden Tag an ihn, sah immer nur die schönen Momente. Das schlimmste war jedoch diese Einsamkeit, da er mich ja isoliert hatte. Aber ich kämpfte mich dadurch. An manchen Tagen ging es gut, dann litt ich wieder wochenlang. Ich ging zu meinen alten Freunden, entschuldigte mich für mein Verhalten, arbeitete auf, stolperte irgendwann über den Narzissmus, fand tolle neue Freunde, organisierte mein Leben neu.

Allerdings hatte ich seither, also ca. dreieinhalb Jahre lang, keine Beziehung mehr, weil ich Angst habe, wieder an so einen Menschen zu geraten, mich wieder zu verlieren…ich kann einfach niemanden mehr an mich ran lassen…

Dennoch, eines habe ich ihm zu verdanken: Auf der Frage nach dem Warum, warum hatte er so eine Macht über mich…bin ich auf den Weg der Selbstliebe gekommen…und habe angefangen, meine Wunden aus der Kindheit, die ihm den Zutritt ermöglicht haben, zu heilen…zu verstehen…Aber ansonsten war er trotz der vielen wunderschönen zauberhaften Erlebnisse, die sicherlich immer in meinem Herzen bleiben werden, eher ein Alptraum, der mich zerstört hat…

Das waren natürlich nur einige kurze Einblicke in mein Leben mit und nach  der PNG…

– Liebe S.C danke, dass du deine schreckliche und sehr traurige Geschichte mit uns geteilt hast. Ich wünsche dir, dass du deinen Seelenfrieden wiederfindest.. und eines Tages wieder von Herzen glücklich wirst. Gib dir Zeit, solch ein Trauma vergeht erst mit der Zeit und viel Arbeit. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute!

Wenn ihr uns auch eure Geschichte erzählen wollt, schickt sie uns gern per Email:
Hilfefueropfervonnarzissten@gmail.com
Beziehungen mit Narzissten machen krank und einsam. Wenn ihr einen sicheren Ort sucht um euch auszutauschen, kommt gern in unsere geschlossene Facebook-Gruppe , dort findet ihr Menschen, die das gleiche durchmachen oder durchgemacht haben.

Ihr seid nicht allein!

Hilfreiche Literatur:

Advertisements

Kommentar verfassen

von Anders Noren.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: