Abhängige Störung

Die Abhängige Persönlichkeitsstörung

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In mehreren Artikeln wurde sie bisher kurz angerissen, aber nie vollends erklärt- die Abhängige, oder auch Dependente Persönlichkeitsstörung. Oft liest man in Wissenschaftlicher Literatur, dass Menschen mit Zügen dieser Störung, Narzissten gerade zu magisch anziehen. Aber warum ist das so? Und was macht diese Störung aus, die sich schon, genau wie der Narzissmus, früh in der Kindheit entwickelt?

 

Die Dependente Persönlichkeit

Auch bei dieser Störung gibt es mehrere Formen. Wie auch beim Narzissmus, gibt es hier viele  verschiedene Muster. Das Spektrum reicht von leichten Zügen bis zur Persönlichkeitsstörung. Und die Ursachen einer solchen Störung gleichen ebenfalls denen der Narzissmusbetroffenen. Alles beginnt früh in der Kindheit:

Kinder die in einem Umfeld aufwachsen, wo sie nicht genug Liebe und Aufmerksamkeit bekommen, können diese Störung entwickeln. Oft passiert das, wenn einer oder beide der Elternteile Narzissten sind. Denn wie wir wissen, können Narzissten ihren Kindern kaum oder nicht genügend echte Liebe schenken. Die Kinder müssen sich dann den Eltern anpassen, um die  vermeintliche Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen. Früh lernen sie, dass sie Mamas oder Papas Erwartungen entsprechen müssen, damit sie gut behandelt werden. Hier geht es zu einem Erfahrungsbericht einer dependenten Betroffenen, die unter narzisstischen Eltern litt.

Wo ein Kind sich nie frei entfalten kann, weil es immer nur für die Eltern leben muss, kann keine eigenständige Persönlichkeit entstehen. Eigene Wünsche und Träume werden schon früh verdrängt, das Kind lernt, dass es sich immer nur in die Eltern reinfühlen muss, damit es ihren Ansprüchen entsprechen kann. Deswegen sind Menschen mit einer Dependenten Störung oft hoch sensibel und sehr empathisch. Das Kind  hat zu sich selbst so gut wie keine Verbindung. Sind die Eltern dazu noch narzisstisch, wird das Selbstbewusstsein des Kindes ebenfalls leiden. Da Narzissten andere abwerten um sich selbst aufzuwerten, bleibt das Kind auch hier nicht verschont.  Ihr seht also, hier entwickelt sich ein kleines Kind, dass alles tut um die Liebe zu bekommen, die so überlebenswichtig ist. Es gibt seine eigene, kleine Persönlichkeit auf, seine Wünsche und Träume.  Der Ursprung von Narzissten und Dependenten Störung ist also fast identisch. Und dennoch äußern sich beide Störungen sehr unterschiedlich. Aber ja, in der Wurzel sind diese Störungen miteinander eng verbunden.

Umso weiter das Kind nun heranwächst, desto unterwürfiger gibt es sich. Es lernt nie, sich selbst zu lieben oder eigenständig zu werden. Da der Erziehungsstil von Narzissten meist auf Autorität und Leistung basiert, konzentriert sich das Kind ausschließlich darauf, seine Eltern glücklich zu machen. Bis zur völligen Selbstaufgabe. Psychischer Missbrauch wird immer ertragen, da die Hoffnung auf ein paar Liebe Worte oder Gesten besteht. Narzissten sind unberechenbar, das hat das Kind auch schon früh gelernt. Es gibt sich selbst die Schuld daran, das Mama und Papa manchmal so gemein und böse zu ihm sind. Es ist weder entwickelt noch distanziert genug um zu verstehen, dass es nichts falsch gemacht hat. Und so bilden sich in seiner Psyche all die negativen Programme, die auch später sein Leben bestimmen werden: Ich bin nicht genug, ich muss etwas leisten um geliebt zu werden, umso mehr ich mich anstrenge, umso wahrscheinlicher ist es geliebt zu werden, ich bin dumm, ich bin zu dick, ich tauge nichts, ich kann alleine nicht überleben, ich muss alles tun um nicht verlassen zu werden!

Da die Eltern ihm schon in der frühen Kindheit nie das Gefühl von Sicherheit und Stabilität geben konnten, entwickelte das Kind eine krankhafte Angst vor dem verlassen werden und lernt, Dinge zu kontrollieren um diese Sicherheit zurückzugewinnen.  Diese wird es das ganze Leben lang begleiten. Wie ihr erahnen könnt, wird diese Störung im Erwachsenenalter spätestens zu Problemen führen. Die Abhängige Persönlichkeit ist in Beziehungen oft sehr fordernd und klammernd. Sie ist stets unsicher der eigenen Fähigkeiten und Persönlichkeit. Macht sich stets von der Meinung anderer Menschen abhängig. Diesen Menschen fällt es extrem schwer eigene Entscheidungen zu treffen. Oft müssen diese erst mit vielen Menschen besprochen werden um Sicherheit zu erlangen. Unterbewusst unterwerfen sie sich ihrem Partner, damit dieser über ihr Leben bestimmt. Sie übernehmen sehr ungern Verantwortung und vermeiden es, ihre Meinung zu sagen. Die Devise ist, jegliche Konflikte zu vermeiden und niemanden gegen sich aufzubringen.Denn dann könnte man nicht mehr gemocht werden. Und wer nicht gemocht wird, wird verlassen.  Eine große Angst ist hier das Verlassenwerden. Für eine Dependente Persönlichkeit fühlt sich das wie sterben an. Wo gesunde Menschen während einer Trennung zwar leiden, können sie dennoch nach vorn Blicken und wissen, sie werden es überleben. Bei einer solchen Persönlichkeit ist es aber so, dass sie sich fühlt, als wäre ihre Existenzgrundlage gestorben. Weil sie für andere lebt, indentifiziert sie sich auch oft mit ihren Partnern. Sie übernimmt die Gewohnheiten und Hobbies des Partners, weil sie selbst keine hat. Sie weiß nicht was sie liebt und was nicht- denn aus früher Kindheit hat sie nur gelernt für andere zu leben. Denn liebe gibt es nur, wenn die anderen glücklich sind. So entsteht oft das Dilemma, dass sie Liebe und Abhängigkeit nicht voneinander unterscheiden kann.

Merkt ihr was? Nach außen hin, ist es für den Narzissten also ein gefundenes Fressen! Eine unsichere Persönlichkeit, welche nach außen hin ausstrahlt wie Bedürftig sie im inneren ist… sich nach Liebe und Sicherheit sehnt… und dafür bereit ist, sich ganz aufzugeben… perfekt oder? Hier kann der Narzisst sich richtig ausleben, gleichzeitig aber bewundert werden als strahlender Ritter. Er bekommt also ganz viel und muss dafür nur ganz wenig zurückgeben. Hier kommt es dann wie HIER  beschrieben, zur narzisstischen Kollusion. Nach außen hin passen die Bedürfnisse der Partner perfekt zusammen. Der Narzisst bekommt seine ersehnte Bewunderung und gibt dafür seine Aufmerksamkeit dem Partner. Der sich natürlich bis zur Selbstaufgabe abrackert, um diese zu bekommen. Aber wenn der Narzisst nun anfängt, den Partner abzuwerten und ihn zu missbrauchen, kann die dependente Persönlichkeit sich schwerer trennen, als normale Menschen. Da sie aus der Kindheit schon weiß, dass sie schlecht sein muss und deswegen oft schlecht behandelt wurde, nimmt sie es auch hier wieder hin. Umso mehr strengt sie sich an, die ersehnte Liebe vom Narzissten zu bekommen. Und fängt aber unterbewusst ebenfalls an extrem zu klammern und immer kontrollierender zu werden.

Da sie in der Kindheit gelernt hat, dass nichts berechenbar sein kann, leidet sie oft unter Kontrollzwängen um sich sicherer zu fühlen. Wie wir aber wissen, hasst der Narzisst diese beiden Eigenschaften bis aufs Blut.  Er wertet seinen Partner nun immer mehr ab und stößt ihn immer weiter von sich. Fühlt sich erdrückt. Die dependente Persönlichkeit merkt, dass es ihr langsam an die Substanz geht und sie immer schwächer wird. Immer öfter krank. Aber trennen kann sie sich nicht. Das würde bedeuten zu sterben. Die kindliche Angst des sterbens hat sich in der Kindheit tief in sie eingebrannt, als die Eltern viel zu wenig für sich da waren. Es ist also wirklich keine Reele Angst von der wir hier reden, sondern eine Kind-liche. Das macht sie aber nicht weniger bedrohlich.

Hier kommt nun das größte Dilemma- die Dependente Persönlichkeit ist vollends gefangen in ihrem inneren Kind und schafft es nicht, rational zu denken wie eine Erwachsene Person. Würde sie das tun, wäre ihr schnell klar, dass sie missbraucht wird und sich schnellstens aus dieser Partnerschaft lösen muss. Aber die übergroße Angst aus der Kindheit dann sterben zu müssen, ohne ihren Partner nicht überleben zu können- kettet sie an der Situation fest und lässt keinen Ausweg.  Diese Verzweiflung kann sie bis in den Suizid treiben. Sie kann nicht sehen, dass sie eigentlich eine Erwachsene Person ist mit genügend eigenen Fähigkeiten um überleben zu können. In den Momenten ist sie in ihrem Kindlichen Ich gefangen. Denn ein Kind- kann alleine nicht überleben.

Ihr seht also, mit einem Narzissten ist es ein einziges Trauerspiel, aber was ist in einer normalen Beziehung? Was, wenn eine dependente Persönlichkeit an einen „normalen“ Menschen gerät? Dann sind die Symptome zwar da, aber weniger stark ausgeprägt. Denn ein normaler Mensch ist in der Lage, dem Partner die Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken ,ohne dass dieser etwas dafür Leisten muss. Dennoch kann solch eine Beziehung sehr anstrengend sein. Denn Dependente Partner brauchen mehr Liebe und Aufmerksamkeit als normale Partner. Sie sind auch von Natur aus Misstrauischer und kontrollierender. Da sie nie gelernt haben Liebe aus sich selbst zu schöpfen, sondern immer darauf angewiesen waren, diese von außen zu bekommen- legen sie sich dafür natürlich mächtig ins Zeug. Und genügen tut es natürlich auch nie.. denn wirkliche Selbstliebe kann man nur in sich selbst finden und nie von außen!

Es müsste sich also ein sehr liebevoller Partner finden, der für die Krankheit seines Gegenübers Verständnis hat und ihn in seiner Entwicklung gesund unterstützt , statt ihn von sich zu stoßen und die Abhängigkeit wie ein Co Abhängiger zu unterstützen. Es gilt dem Abhängigen zu zeigen, dass eigene Entscheidungen zu treffen nicht schlimmes ist. Ihn zu animieren, seine eigene Meinung zu sagen. Damit er merkt, dass er dafür nicht verachtet wird. Und ihn anzuspornen, Dinge für sich und ganz allein zu unternehmen aber gleichzeitig die Sicherheit zu geben, dass er für diesen „Egoismus“ nicht verlassen werden wird. Denn das ist eine weitere Angst. Der Dependente traut sich fast nie etwas für sich selbst zu tun. Das findet er zu egoistisch. Tut er sich selbst einmal etwas gutes, bekommt er sofort ein schlechtes Gewissen. Hier könnte ein Liebevoller Partner in Maßen ihn in die richtige Richtung „schubsen“. In die gesunde Eigenständigkeit.

In schwierigen oder sehr ausgerprägten Fällen jedoch, ist eine Beziehung kaum möglich. Denn manch stark dependente Menschen entwickeln einen Drang zur Hysterie, um wahrgenommen zu werden. Sie wurden in der Kindheit genau so vernachlässigt was die Liebe angeht, wurden aber auf der anderen Seite nach außen hin über die Maße verwöhnt. Diese Menschen unterwerfen sich anderen nicht nur, sie erwarten bedient zu werden. Sie verlangen, dass der Partner sein ganzes Leben nach ihnen ausrichtet und werden sehr Psychotisch, wenn der Partner sich dem einmal verwehrt. Ihr seht, diese Krankheit ist sehr vielfältig und schwer in eine Schublade zu stecken. Auch hier kann sich zu den dependenten Zügen noch Narzissmus mit einschleichen.

Leidet man unter dieser Störung so enorm, dass sie das eigene Leben beeinträchtigt, ist es ratsam, einen Profi aufzusuchen. Eine Therapie kann helfen, die Traumata zu überwinden und mit seinem eigenen Inneren Kind Frieden zu schließen. Vor allem gilt es aber, nicht mehr als inneres Kind zu leben, sondern zu lernen, im Erwachsenen Ich zu leben. Denn nur dadurch kann der Mensch lernen, eigenständig zu werden und die kindliche Hilflosigkeit zu überwinden.

Wer mehr zur dependenten Persönlichkeit wissen will , dem Empfehle ich hier wärmsten das Buch „Wege aus der Abhängigkeit“ von Heinz Peter Röhr. Ich werde es weiter unten mit anderer hilfreicher Literatur verlinken.

Wie immer ist der Artikel kein Wissenschaftliches Faktum, sondern beruht auf Erfahrungswerten.

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