Narzissmus- Wie werde ich von der Gänsemagd wieder zur Königstochter?

Nun haben wir hier ja schon über einige Themen gesprochen. Was macht Narzissten aus, welche Formen gibt es und wie sieht eine typische Beziehung mit einem Narzissten aus. Jetzt wollen wir uns aber mal dem Thema widmen, wie man seine eigenen Anteile erkennt und auflöst.

Eigene Anteile? Ja, du hast richtig gelesen! Ich weiß, am Anfang denkst du bestimmt , der Narzisst ist böse und an allem Schuld. Du bist unschuldig und hast mit dem ganzen nichts zu tun. Du bist nur froh, alles überlebt zu haben. Besonders zu Beginn wirst du eine riesen Wut auf ihn haben, ihn stets verteufeln und dich über alles aufregen, was er tut. Keine Sorge, das ist vollkommen normal und ein Abschnitt auf deinem langen Weg zurück zu dir.  Was dir aber jetzt nicht passieren sollte, ist in diesem Kreislauf stecken zu bleiben. Einige Menschen bleiben genau in diesem Hass, beschäftigen sich überhaupt nicht mit ihren eigenen Anteilen und bleiben in dieser Wut. Sie beschäftigen sich weder damit, warum Narzissten sind wie sie sind, noch, was mit ihnen selbst los ist.  Sie verteufeln Narzissten regelrecht und entmenschlichen sie. Sie sind es dann auch, die mit hoher Wahrscheinlichkeit beim nächsten Partner wieder auf einen Narzissten treffen. Das geht dann immer wieder so- und sie fragen sich nie warum. Ihr Hass wird einfach jedesmal größer und sie schimpfen auf Götter und Schicksal! Warum immer ich? Gibt es nur noch verrückte Menschen da draußen?

Tja aber warum geraten manche Menschen immer und immer und immer wieder an einen Narzissten? Warum gerade ich? Die Antwort ist genau so einfach wie offensichtlich: Es liegt an dir, dass du immer wieder an diese Menschen gerätst. Du ziehst sie quasi magisch an. Und nein, nicht weil du so ein perfekter und lieber Mensch bist. Und weil Narzissten, die bösen Monster, sich nur liebe Menschen aussuchen. Weit gefehlt. Es liegt an deinen eigenen, kindlichen Anteilen. Denn hast du schon einmal über folgendes nachgedacht? Ein stinknormaler Mann mit gutem Job und gutem Charakter… der reizt dich irgendwie überhaupt nicht? Er hätte im Grunde alles was dir gut tun würde, hat einen tollen Charakter und ist sehr lieb zu dir. Aber irgendwie will der Funke einfach nicht überspringen… er ist viel zu „nett“… langweilig… nein- der reizt dich überhaupt nicht. Komisch oder? Während der liebe und nette Mann von dir ignoriert und in die Freundesliste verfrachtet wird, verfällst du eher dem geheimnisvollen Fremden. Dem Mann, der Schmetterlinge in deinen Bauch zaubert, weil er so charismatisch ist. Du kennst ihn kaum, weißt nichts über ihn- aber er sieht verdammt gut aus. Und er umwirbt dich perfekt. Säuselt dir große Versprechungen ins Ohr. Ist aber dennoch nie wirklich greifbar. Das reizt dich, du willst ihn „knacken“. Merkst du was?

Während die guten Männer alle da draußen sind, geben wir ihnen kaum Aufmerksamkeit. Nein, wir wollen lieber das aufregende, das Abenteuer. Und geraten – wie könnte es anders sein, wieder an einen Bindungs-unfähigen Menschen. Dieser wird uns dann spätestens in der Beziehung anfangen abzuwerten, uns schlecht zu behandeln und total respektlos sein. Der Prinz verwandelt sich zurück zum Frosch. Weil wir auf Lügen reingefallen sind. Weil wir ihm doch so gerne alles glauben wollten, was er uns ins Ohr geflüstert hat.  Aber was ist da los? Warum „wollen“ wir nur solche Menschen? Was reizt uns daran?

Hier wird es wieder Zeit uns unser inneres Kind anzuschauen. Was hatte ich für eine Vergangenheit, was für eine Kindheit; gibt es ungelöste Traumata aus meiner Kindheit? Denn wie schon in einem anderen Artikel erwähnt- Traumata aus der Kindheit möchte unsere Psyche gerne auflösen. Und weil sie in dem Fall noch in einem kindlichen Stadium verblieben ist, nimmt sie einen Kindlichen Weg- das Trauma so lange wiederholen, bis das Problem sich auflöst. Klingt nicht wirklich sinnvoll? Tja, ist es auch nicht… es ist KIND- isch.

Du merkst, hier kommt es zum Dilemma. Du suchst dir unterbewusst Menschen aus, die dich an dein kindliches Trauma erinnern, das du auflösen willst. Sagen wir dein Vater war Narzisst (zum Beispiel) und er hat dich oft sehr schlecht behandelt und dein Selbstwertgefühl zerstört. Du möchtest dieses Trauma, das du durch ihn erlitten hast auflösen. Du willst von ihm endlich die Liebe erfahren, die dir als Kind so sehr gefehlt hat. Also wird dein Unterbewusstsein sich Männer suchen, die so ähnlich sind, wie dein Vater. (Bei Männern genau umgekehrt logischerweise ;)) Du wirst von diesen Menschen dann ähnlich behandelt , wie von deinem Vater damals- logisch. Aber das Problem ist, dass du das Trauma nur auflösen könntest, wenn du jemanden findest, der dir diese Liebe schenkt, die dein Vater dir nie schenken konnte. Das denkt zu mindest dein inneres Kind. Das wird aber ein Narzisst niemals können. Solange du dir also Narzissten suchst, wirst du dein Trauma in Endlosschleife wiederholen und jedesmal ein bisschen mehr daran zerbrechen.

Dein inneres Kind läuft im Kreis. Es ist eben ein Kind und kann keine erwachsenen und logischen Entscheidungen treffen. Sowieso wissen wir natürlich, dass niemand dir die Liebe geben kann, die du so sehr brauchst. Denn deine Vergangenheit ist vorbei. Niemand kann dir diese Zeit zurückbringen. Du musst lernen, dir selbst diese Liebe zu schenken, die du so sehr brauchst. Im Außen wirst du sie nie finden. Solange du dir unterbewusst Partner suchst, um diese tiefe Sehnsucht nach Liebe zu stillen, wirst du immer wieder auf diese Menschen reinfallen. Denn diese spüren deine Sehnsucht und fangen dich damit ein. Gerade Narzissten tun das sehr gerne wie du weißt!

Was ich dir sagen will ist… nicht die Narzissten sind Schuld. Sie sind sehr kranke Menschen, die lediglich auf deine tiefsten Sehnsüchte anspringen. Denn du strahlst diese nach außen aus. Die traurige Wahrheit ist- du bist es. Du bist dir nie genug. Du denkst immer noch, dass eines Tages jemand kommen wird, der dir all die Liebe geben wird, die du brauchst. Das innere Kind in dir denkt das. Und deswegen hört es nicht auf, dir immer wieder die falschen Partner schmackhaft zu machen. Deswegen ziehen dich diese Menschen so an- und deswegen langweilen dich die normalen Männer.

Die Lösung? Die Lösung zu allem? Fang an mit dir zu arbeiten. Mit dir und deinen kindlichen Anteilen, die dich denken machen lassen, dass du wertlos bist. Dass du nicht genug bist. Dass du einen Partner brauchst, der dich vollkommen macht. Hör auf den Narzissten zu verteufeln und ihm die Schuld für alles zu geben. Lass ihn los. Befreie dich von ihm. Und mach dich selbst zu deiner ersten Priorität. Arbeite mit dem kleinen und verängstigten kleinen Menschen in dir drin, der denkt, er sei nicht gut genug. Lerne ihn in den Arm zu nehmen und ihm zu zeigen, dass du jetzt da bist- und dass du ihn liebst. Genau so wie er ist. Bei diesem Prozess kann dir ein Experte sehr gut mit Rat und Tat zur Seite stehen. Denn wenn du irgendwann wieder im Gleichgewicht bist und dich selbst liebst- haben so Menschen bei dir keine Chance mehr. Und selbst wenn du nochmal an so jemanden geraten solltest- wirst du viel mehr Kraft haben ihn vor die Tür zu stellen, denn dann weißt du was du wert bist. Du bist und warst nie eine Gänsemagd- sondern wurdest dazu gemacht. Es ist nun an dir, wieder zur Königstochter zu werden. Denn bist du wertvoll und einzigartig- und es wird Zeit, dass du das endlich erkennst.

 

 

Ich möchte nochmal erwähnen, dass es sich bei meinen Artikeln lediglich um Erfahrungswerte handelt und um kein Wissenschaftliches Faktum.

Außerdem muss dieser Text hier nicht auf alle Menschen zutreffen, es ist, wie die Narzisstische Kollusion nur eins von vielen Modellen.

Dieser Text ist natürlich nur ein kleiner Auschnitt zu diesem großen Thema, er soll als Anregung dienen und helfen, die eigenen Anteile zu erkennen. Um mit dem inneren Kind zu arbeiten, sollte ein Experte hinzugeholt werden.

Hilfreiche Literatur:

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6 Kommentare zu „Narzissmus- Wie werde ich von der Gänsemagd wieder zur Königstochter?

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  1. Ich weiss nicht wie ich das machen und erreichen soll – mich selbst lieben zu lernen. Wenn ich in den Spiegel sehe – mich sehe – was ich aus mir gemacht habe und habe machen lassen – 196 kg, Selbstverletzungen, krank etc. – könnte ich heulen und mich übergeben. Ich mag nicht sehen was mir da entgegensieht, im Spiegel, eine einzige Anklage, Elend. Ich kann meinen Anblick, mein Spiegelbild nicht ertragen.

  2. Toller Artikel und auch ich bin betroffen und sage , dass dadurch meine Erkrankung MS entstanden ist . Arbeite momentan auch mit dem inneren Kind . Danke für die Seite

  3. Wirklich ganz toller Artikel. Von der Gänsemagd zur Königstochter! Als ich jetzt diesen Artikel las, wurde mir sofort bewusst, was ich im Innersten schon lange leise ahnte. Mein Vater hat mich zur Gänsemagd erzogen. Wenn ich daran denke, wie meine Freundinnen aus der Kindheit von ihren Papas liebevoll und aufbauend behandelt wurden, fragte ich mich oft, warum mein Vater mich nicht leiden konnte, mich immer minderwertig fühlen ließ. Als ich 8 Jahre alt war, passierte mir, dass ich in unserem Badezimmer das Waschbecken kaputt machte, da mir was Schweres aus der Hand rutschte, völlig unabsichtlich. Ich werde niemals vergessen, wie mein Vater wie eine Furie ins Badezimmer rannte, mir zwei schallende Ohrfeigen verpasste und wie wahnsinnig schrie mit mir. Dann als Draufgabe gab’s Liebesentzug und Silent Treatment, ich wusste nicht, wie lange er dies machte. Jeden Abend, wenn er heimkam, ignorierte er mich total, kein Halloküsschen, kein Servus, nichts. Jeden Morgen und jeden Abend wurde ich ignoriert, als ob ich Luft wäre und das mit 8 Jahren. Dies machte er mit mir eine Woche lang, für mich als 8-jährige eine Ewigkeit, ich fürchtete mich zu Tode, wenn er heimkam und ich ihm begegnete. Seit diesem grausigen Ereignis war und bin ich auch jetzt noch als Erwachsener am Boden zerstört, fühle mich minderwertig und das Wort passt haargenau: wie eine Gänsemagd. Habe auch immer wieder als Partner Narzissten, jetzt schon den Dritten und der ist meinem Vater am ähnlichsten. Jetzt weiß ich warum, dein Artikel hat mir die Augen geöffnet. Danke, danke, danke!!!!! Rosie

    1. Das ist grausamste Misshandlung – ich kenne das auch.
      Zur Frage, warum ein Mensch sein eigenes Kind nicht leiden kann…
      Besser man stellt keine Warum-Fragen mehr, denn es tut nur weh, niemals eine Antwort zu bekommen, und selbst wenn man eine bekäme, würde wohl auch die Antwort weh tun.
      Nur Loslassen hilft, aber das ist bei den eigenen Eltern sehr viel schwerer als bei einem Partner oder einer Freundin, weil man auf Leben und Tod abhängig ist (zumindest gefühlt).
      Ich habe in meinem Fall die Vermutung, dass mein narzisstischer Vater lieber einen Sohn gehabt hätte, denn er hat mir jedes Jahr gegen meinen Willen (!!!) die Haare kurz schneiden lassen (und ich wollte ein MÄDCHEN mit langen Haaren sein!).
      Ab der Pubertät gabs regelmäßig auf meine Weiblichkeit gemünzte Demütigungen.
      Er selber: Einerseits süchtig nach Frauen, andererseits verachtend ihnen gegenüber, seine Mutter war Nazisstin!!!
      Ich fühle mit dir!

  4. Endlich mal ein Beitrag, der dieses ewige Opferbewusstsein der Co-Abhängigen in Frage stellt.
    Ich bin selbst co-abhängig und Opfer eines narzisstischen und alkoholabhängigen Vaters und einer co-abhängigen Mutter.
    Meine Mutter ist seit über 40 Jahren von meinem Vater getrennt und bedauert sich heute noch in ewigem Selbstmitleid und kommt da auch nicht raus. Lebt alleine, da die Beziehungsfähigkeit gleich null ist und es niemand mit ihr aushalten kann.
    Ich habe volles Verständnis für alles Leid, denn ich bin selber betroffen,
    aber durch mehrere Therapien, die den Schwerpunkt Co-Abhängigkeit und Heilung des inneren Kindes hatten, bin ich aus der Opferrolle raus. Mein Leben ist frei von Wut und (Selbst)hass und ich bin nur noch freiwillig mit Menschen in positivem Kontakt (nicht mehr aus Bedürftigkeit), hab gelernt, die richtigen Menschen anzuziehen, „Vampire“ zu erkennen und mich vor ihnen zu schützen.
    Ich denke, erst, wenn man sich selbst reflektiert, kann man verzeihen und frei werden (bin seitdem erst eine wirklich gute Mutter und Ehefrau und beziehungsfähig!).
    Ach, was noch wichtig ist:
    Wenn der Narzisst nicht der Partner ist, dann ist es eben jemand anders, bei mir damals die Chefin und meine damals neue „beste“ Freundin:
    Sie die Königin, ich ihre private Zofe! Ich frage mich wirklich, wie ich mir das alles über Jahre habe gefallen lassen – aber ich habs für meine psychische Entwicklung offenbar gebraucht.
    Liebe Betroffenen: Die Heilung des inneren Kindes ist so wichtig, um mit der Co-Abhängigkeit umgehen zu lernen, und man wird selber für seine Mitmenschen ein angenehmerer, klarer, selbstachtender Mensch.
    Sich selbst zu heilen – das ist aktiver Umweltschutz!
    Viel Kraft wünsche ich euch!

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von Anders Noren.

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