Die Narzisstische Kollusion

Habt ihr euch nicht schon öfter gefragt, warum ihr am Anfang damals mit dem Narzissten so unfassbar gut harmoniert habt? Warum alles wie von selbst ging und ihr so schnell das Gefühl hattet, dass er euer Seelenpartner ist? Ich möchte euch hier das Modell der narzisstischen Kollusion aufzeigen und vielleicht bringt das ein bisschen Licht in euer Dunkel.

Die Narzisstische Kollusion

Aber was genau verstehen wir nun unter einer Narzisstischen Kollusion? Es geht darum, dass zwei Menschen, die sehr unterschiedlich im inneren sind, scheinbar nach außen hin perfekt miteinander harmonieren. Oft passiert dies rollenspezifisch. Nehmen wir als Beispiel jetzt einmal einen männlichen Narzissten und eine weibliche Frau mit dependenten Zügen. Das bedeutet, der Narzisst ist nach außen hin sehr selbstsicher und dominant, während die Frau eher devot und schüchtern daherkommt. Wenn die beiden aufeinander stoßen kann folgendes passieren: Die dependente Frau wird den Mann für seine Dominanz und sein Charisma bewundern. Er lebt quasi ihre versteckten, narzisstischen Anteile aus, die sie sich nie getraut hat zuzulassen. Dafür bewundert sie ihn. Sie stellt ihn also unterbewusst auf ein Podest und beginnt ihn als Traumprinzen zu sehen.  Sonnt sich in seinem „Licht“

Der Narzisst, der von Bewunderung und Ankerkennung lebt, spürt das schnell und fühlt sich aufgewertet wie nie zuvor. Er fühlt sich als edler Ritter und nimmt die Aufmerksamkeit gerne an und überschüttet die Angebetete im Gegenzug mit Geschenken und Zuneigung. Wie ihr seht, entsteht hier jetzt eine Art Symbiose und nach außen hin scheinen sich die beiden doch perfekt zu ergänzen! Dies wird in der Psychologie auch „Das Schlüssel und Schloss Prinzip“ genannt.  Die dependente Frau wird im Zuge der großen Bewunderung des Narzissten von ihm umsorgt und bekommt von ihm Liebe und Sicherheit, während der Narzisst sich immer weiter aufgewertet und bewundert fühlt.  Ihr merkt, die beiden bekommen oberflächlich genau das, wonach sie sich im Inneren immer gesehnt haben.

Ich möchte jetzt an dieser Stelle kurz auf die dependente  (Abhängige) Persönlichkeit eingehen, weil viele von euch bestimmt noch nicht wissen, was es damit auf sich hat.  Die dependente Störung entsteht, genau wie der Narzissmus, in der frühen Kindheit und hat ähnliche Auslöser. Oft haben Menschen mit dieser Störung zu wenig Liebe und Aufmerksamkeit erfahren. Meist haben diese Kinder einen narzisstischen Elternteil, der sie oft abwertet und schlecht macht. Es geht oft ein Trauma voraus, das das Kind nicht verwinden konnte.  Sie werden entweder komplett unselbstständig erzogen oder mussten schon früh lernen, erwachsen zu werden. Diese Persönlichkeit ist sehr empathisch, kann sich sehr gut in Menschen einfühlen und weiß auch schnell was diese brauchen. Ihr ganzes Leben ist darauf ausgerichtet, es anderen Recht zu machen und nie auf sich selbst zu achten.  Sie sagen selten ihre Meinung, weil sie Angst haben, von anderen nicht mehr gemocht zu werden.  Oft wurden diese Menschen sehr unselbstständig erzogen, haben immer alles von den Eltern vorgeschrieben bekommen. Sie durften keine eigenen Wünsche oder Träume haben und haben im Grunde also nie gelernt, was sie wirklich wollen. Weil sie immer nur für andere gelebt haben. Deswegen haben sie meist wenig Selbstbewusstsein und müssen jede Entscheidung erst mit anderen besprechen, um sie zu treffen.  Die emotionale Entwicklung verweilt meist im Kindesalter. Diese Menschen haben gesunden Narzissmus nie gelernt und können somit kaum egoistisch sein. Wenn sie einmal was nur für sich machen, bekommen sie gleich ein schlechtes Gewissen. Oft entsteht diese Störung , wenn Kinder bei Narzisstischen Eltern aufwachsen. Aus Kindern, die aus narzisstischen Familien kommen werden meistens dependete Persönlichkeiten oder Narzissten. Was diese Menschen ihr  Leben lang begleitet, sind folgende Symptome:

Typisch für eine dependente (auch: abhängige oder asthenische) Persönlichkeitsstörung ist, dass sich die Betroffenen passiv und unterwürfig verhalten, wenig Selbstbewusstsein haben und sich stark an andere anpassen. Sie neigen dazu, sich an nahe stehende Menschen zu klammern, zeigen wenig Eigeninitiative und übernehmen ungern die Verantwortung. Bei eigenen Fehlern oder Missgeschicken neigen sie dazu, die Verantwortung anderen zuzuschieben. Insgesamt tendieren sie zu einer depressiven Stimmung und starken Trennungsängsten. Wenn eine enge Beziehung tatsächlich endet, fühlen sie sich völlig hilflos und innerlich zerstört.
Quelle: https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/persoenlichkeitsstoerungen/dependent/

Wenn man es mal gegenüberstellt, merkt man schnell, dass der Narzissmus und die dependente Persönlichkeit viele Gemeinsamkeiten haben und auch den selben Ursprung. Das ist richtig, beide wollen im Grunde das gleiche- geliebt werden. Aber beide Krankheiten unterscheiden sich nach außen hin extrem. Es ist also eine ähnliche Grundstörung- ausgelebt wird sie aber ganz unterschiedlich.
Mehr zur dependenten Störung bald in einem separaten Artikel.

Im Grunde haben wir also jetzt zwei Menschen, die so gut wie gar keinen Bezug zu ihrem Innenleben haben, aber dennoch beide davon überzeugt sind, genau zu wissen, was sie brauchen. Die dependente Persönlichkeit will Sicherheit, Liebe, Nähe und Geborgenheit, während der Narzisst Bewunderung, Anerkennung und Freiraum möchte.  Am Anfang funktioniert diese Kollusion also perfekt. Wie geht es jetzt aber weiter? Wie wir wissen , leben Narzissten ihre negativen Anteile gerne an anderen aus und  braucht ständig Freiraum. Der dependente aber, braucht sehr viel Nähe und Sicherheit. Der Narzisst beginnt also irgendwann damit, den Partner abzuwerten. Da dieser das meist aus der Kindheit nicht anders kennt, lässt er es zu und gibt sich noch mehr Mühe geliebt zu werden. Durch noch mehr Unterwürfigkeit und Anpassung. Hier gibt es für den dependenten kein Maß, er macht das bis zur völligen Erschöpfung. Bald ist der Narzisst von dieser unterwürfigen Art aber genervt, ja, fast schon angewidert. Denn durch das hohe Nähebedürfnis klammert der Partner sehr viel und engt den Narzissten sehr in seiner Freiheit ein. Er brauch ständig Liebe und Sicherheit und fängt also auch unterbewusst an, den Narzissten zu kontrollieren und zu manipulieren. Ja, er verbietet ihm auch oft Dinge und stellt strenge Regeln auf. Das schmeckt dem Narzissten natürlich überhaupt nicht und er behandelt seinen Partner immer schlechter. Dadurch bleibt dann auch immer mehr die Bewunderung aus, die der Narzisst so dringend braucht. So distanziert sich der Narzisst immer mehr und sucht sich seine Bewunderung nun wieder woanders. Er lässt den Dependenten also links liegen. Das ist für den Dependenten aber wie ein Todesurteil. Vor nichts hat er mehr Angst, als vor dem Verlassenwerden. Er glaubt alleine nicht leben zu können. Aber umso mehr er klammert, umso mehr läuft der Narzisst vor ihm weg.

Also bringt er fast unmenschliche Kräfte auf, um den Narzissten wieder zu umwerben und ihm die Aufmerksamkeit zu geben die er braucht.  Durch die neue Aufmerksamkeit fühlt der Narzisst sich wieder so geschmeichelt, dass er dem Dependenten wieder seine Aufmerkamkeit schenkt.  Ihr seht es ist ein ewiger Teufelskreis! Verändern tun sich diese Situationen nur, wenn zum Beispiel der Dependente in Therapie geht und sich dort weiterentwickelt. Wenn er nicht mehr das Duckmäuschen sein will und endlich ein selbstbestimmtes Leben führen will. Dann kann er irgendwann die Kraft finden, den Narzissten zu verlassen.  Oder der Narzisst ist irgendwann so eingeengt und fühlt sich so in seiner Freiheit bedroht, dass er den Dependenten verlässt. Dann aber auch meist erst, wenn er eine neue Quelle gefunden hat.  Diese beiden Persönlichkeiten sind hochgradig voneinander abhängig. Auch wenn der Narzisst dies erst merkt, wenn er verlassen wird. Aber so wie der Dependente Sicherheit und Nähe wie die Luft zum Atmen braucht, so braucht der Narzisst Aufmerksamkeit und Bewunderung. Deswegen kommt es oft zum Hoovering wenn ein dependenter Mensch einen Narzissten verlässt. Ist dieser nämlich erst einmal allein- merkt er, wie abhängig er vom Partner war.Von seiner Bewunderung und Anerkennung.  Also versucht er mit allen Mitteln ihn zurückzugewinnen- was wiederum den Dependenten oft schwach werden lässt, weil er dann genau die Nähe und Liebe bekommt die er sich so heimlich ersehnt.

Wie ihr seht, ist narzisstische Kollusion ein ganz gemeiner Teufelskreis, aus dem es nur sehr schwer ist, einen Ausweg zu finden. Auch hier kann ein Therapeut helfen. Und natürlich muss man keine Dependente Persönlichkeitsstörung haben um in diese Kollusion zu geraten. Dies habe ich nur als Beispiel zur Verdeutlichung genommen. Es kann auch Menschen mit wenig Selbstbewusstsein treffen, die dependente Züge haben und in der Kindheit Psychisch Missbraucht worden sind. Wenn die inneren Programme so gepolt sind, dass man sich immer anderen anpasst, immer nur für andere da ist aber nie für sich selbst, von sich selbst nie wirklich viel gehalten hat, kann dies ebenfalls passieren. Wichtig ist hier wie immer- seine eigenen Anteile zu finden. Zu begreifen, warum man das alles so lange ertragen hat. Nur dann kann man irgendwann Abstand davon gewinnen und hört auf, immer die gleiche Sorte Mensch anzuziehen. Denn eine gesunde Beziehung funktioniert auf einer starken und ehrlichen Basis. Und nur so kann sie langfristig funktionieren.

Wie immer besteht dieser Artikel lediglich aus persönlichen Erfahrungswerten und ist kein Wissenschaftliches Faktum.

Wichtig ist noch, dass dieses Modell natürlich nicht auf alle Narzisstischen Beziehungen zutrifft. An einen Narzissten kann jeder geraten!

Zur geschlossenen Facebook Selbsthilfegruppe geht es hier

Hilfreiche Literatur:

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5 Kommentare zu „Die Narzisstische Kollusion

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  1. Sehr gut und vollkommen zutreffender Artikel. Ich kann das durch 55 jährige Erfahrung mit einem besonders stark ausgeprägtem, narzisstischen Umfeld nur immer wieder bestätigen …und es wird in diesem narzisstischem Zeitalter immer schwieriger ihnen aus dem Weg zu gehen…da ist Aufklärungsarbeit ein ganz wichtiges Thema um sich in dieser Welt nicht selbst aufzugeben und nur durch gewisse Selbsterkenntnisse kann man dieser Art Mensch dann selbstbewusst gegenüber treten. Entkommen können wir ihnen nicht, also müssen wir einen Weg finden, um mit ihnen zurecht zu kommen.

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von Anders Noren.

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